Mutierte grüne Regenwürmer ?

Mitte des Jahres 1990 warnte der Bund Naturschutz (BN) auf einer Pressekonferenz in Regensburg vor eine Gefährdung durch natürliche Radioaktivität im Bereich an der Autobahn Regensburg-Weiden. Das führte zu Pressemeldungen wie dieser:


Zeitungsbericht vom 16./17. Juni 1990
Die angeführten "mutierten grünen Regenwürmer" und das hochverstrahlte 38 Grad warme Quellwasser wurden nie belegt und sind schlicht und einfach erfunden. Zweifelsohne konnten und können aber radioaktive Mineralien im bezeichneten Areal gefunden werden, wie an wenigstens 100 anderen Orten in Nordostbayern auch. Das Vorkommen am Wölsenberg dürfte dabei einer der am bestes untersuchten deutschen Uranfundorte sein. Das liegt einerseits daran, dass die uranführenden Gänge durch den Flußspatabbau bergmännisch vorzüglich erschlossen waren und dass hier mit großem technischen Aufwand fast ein halbes Jahrhundert lang nach Uranerz gesucht wurde - allerdings ohne eine abbauwürdige Lagerstätte zu finden. Die verwendeten geophysikalischen Meßverfahren (z.B. Radongas-Messungen in abgesaugter Bodenluft) gehen in Umfang und Präzision weit über das hinaus, was man allgemein zur Ermittlung einer möglichen natürlichen Strahlenbelastung macht. Der im oben angeführten Zeitungsartikel angegebene Wert  35000 "Becquerel" ist ohne Angabe der Bezugsmasse (1 Becquerel ist laut Definition ein Atomzerfall pro Sekunde), also z.B. 35000 Becquerel pro Kubikmeter Luft  oder pro Quadratmeter Boden ein Wert, der nichts aussagt. Um den Wert dennoch einschätzen zu können sei angeführt, dass die mittlere Kontamination aller Böden in Bayern durch Tschernobyl-Fallout (alleine durch die beiden Isotope Cs-134 und Cs-137) über 20000 Bq pro Quadratmeter betrug (Spitzenwerte 173.000 Bq/Qudratmeter). Noch 1998 wurden nach amtlichen Messungen Spitzenwerte von bis zu 65.000 Bq pro Kilogramm Fleisch (Wildschwein) festgestellt (ähh, ich hoffe, dass nun niemand fordert alle Wildschweine in Bayern einzubetonieren). Auf das radioaktive Element Radium (fand früher in Leuchtfarbe auf Ziffernblättern Verwendung) umgerechnet entspricht der angegebene Wert etwa einem Mikrogramm (Millionstel Gramm).

Der zweite angegebene Wert von 1000 Mikroröntgen (Röntgen ist die veralterte Bezeichnung der Ionendosis) pro Stunde hilft da auch nicht weiter, die Einheit die hier Klarheit brächte wäre Sievert (Einheit für die biologisch wirksame Kernstrahlungsdosis, früher Rem, wobei 1 Sievert=100 Rem). Allen veröffentlichten und heute bekannten Messungen zu Folge geht von den Wölsendorfer Flußspatgängen, selbst an Stellen, wo diese oberflächlich angeschürft sind, keine Gefahr für Mensch und Tier aus. Ein radioatives Inventar, das thermisch in der Lage wäre Wasser auch nur um ein Grad Celsius aufzuheizen ist definitiv nicht vorhanden. Mutationen von Regenwürmern sind (Größe und Farbe) selbst durch hohe natürliche Radioaktivität in dieser Form weder zu erwarten noch beobachtet worden. Der ganze Artikel entbehrt jeder sachlichen Grundlage und ist reine Panikmache.

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