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"Skalenoedrischer" Flußspat

Die wohl beste Arbeit über diese Form liegt mit dem Aufsatz
von
Ekkehard Preuss im Lapis 6/1981 "Skalenoedrische
Flußspat-Kristalle
von Wölsendorf und Zschopau" vor. Dort sind auch - neben
zahlreichen
Fotos - Kristallzeichnungen und genetische Betrachtungen anschaulich
ausgeführt. Das Bild oben zeigt eine "Skalenoeder" (3,5 cm) einer
Stufe der ehem. Sammlung Preuss. Neben Wölsendorf und
Zschopau kam
"skalenoedrische" {731}-Flußspatkristalle weltweit nur noch von
Elmwood, Tennessee (z.T. in beachtlicher Größe).
Im Sommer 1963 wurde von H. Ziehr und E. Preuss in einer
Lauggungszone
der Grube Cäcilia in 190 Meter Teufe weingelbe Fluoritkristalle
mit
eigenartiger Gestalt gefunden. Goniometrische Messungen ergaben,
daß
die Flächen als {731} zu einem Hexakisoktaeder (48-Flächner)
gehören, diese Tracht aber in der Regel nicht vollständig
ausgebildet
ist. Es fehlen 3/4 der Flächen, so daß eine
"Skalenoeder-artiger"
Habitus erscheint. Oft sind noch kleine (gerne stark glänzende)
Würfelflächen
erhalten, die 731-Flächen jedoch unscharf, manchmal gebogen
und rauh oder mit Kombinationssteifung gerieft. Weiterhin auftretende
730-Flächen
erschweren eine Indizierung.
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Die idealisierten Kristalle bestehen aus 18 Flächen. Neben den Würfelflächen finden sich (731) (713) (3-17) (1-37) (37-1) (17-3) (-3-71) (-1-73) (-31-7) (-13-7) (-7-3-1) (-7-1-3).
Bei manchen gefundenen Kristallen sind weit mehr Flächen
ausgebildet,
auch schwankt (deswegen) der Habitus bis hin zu isometrischen,
fast
würfelförmigen
Kristallen.
Auffällig ist lediglich, daß die Würfelflächen
stets
klein und stark glänzend bleiben.
Die Frage, wie es zu solchen eigentümlichen Kristallformen kommen kann ist ebenfalls nicht einfach zu beantworten. Zunächst muß man bemerken, daß die {731}-Form für Fluorit als untergeordnete, "abkantende" Fläche nicht so ungewöhnlich ist. Auch viel steilere Hexakisoktaeder-Flächen wurden bekannt. Daß bei Fluorit auch öfters bestimmte Trachten -mehr oder weniger symmetrisch- unvollständig ausgebildet sind kennt man auch aus Wölsendorf (die Gründe dafür sind aber noch nicht erforscht, man vermutet dass bestimmte Lösungsgenossen dafür verantwortlich sind). So finden sich bei Fluorit-Würfeln gerne unvollständige Rhombendodekaeder-Trachten als Kanten-Abschrägung. Bekannt - und durch Versuche bestätigt - ist auch die Tatsache, daß Druck, Temperatur und Zusammensetzung der hydrothermalen Wässer eine Auswirkung auf die (bevorzugt) ausgebildete Kristalltracht (- und Habitus) haben (oder genauer gesagt DIE bestimmenden Faktoren sind). Bei Fluorit ist beispielsweise die Oktaeder-Form als höher-thermal zu deuten. Im Falle der Skalenoeder scheint noch ein weiterer Umstand, nämlich ein, dem letzten Kristallisationsvorgang vorausgegangener Laugungsvorgang, von Bedeutung zu sein. Aufgrund der häufig eingelagerten Zinnobernadeln wird für diese Kristalle zudem eine sehr niederthermale Bildung vermutet. Die Bildung könnte sich wie folgt vollzogen haben: Zunächst kristallisieren relativ dicht würfelförmige Kristalle (mit und nach Baryt) aus (häufig weitgehend Aschsen-parallel). Durch Lösungsvorgänge (Laugung ?) werden diese Kristalle stark angegriffen, um endlich in der letzten Kristallisations-Phase (mit Zinnober) die beschriebenen Formen zu bilden.
| Bezeichnung Skalenoeder ? falsche Skalenoeder ? unechte Skalenoeder ? "Skalenoeder" ? |
Zur richtigen
Bezeichnung der "Skalenoeder" schreibt Prof. Preuss: "Es ist auch die bei den ersten
Funden spontan gewählte Bezeichnung "geätzte Kristalle" nicht
zutreffend. Skalenoedrische Flußspäte oder auch allgemein
{731}-Flußspäte (mit skalenoedrischem oder würfeligem
Habitus) ist ausreichend genau." Kristallografisch sind die {731}-Kristalle keine Skalenoeder, "unechte Skalenoeder" und "falsche Skalenoeder" wurden teilweise Pseudomorphosen von Fluorit nach Calcit-Skalenoedern bezeichnet. Deswegen erscheint es sinnvoll hier {731}-Fluorit-"Skalenoeder" oder kurz "Skalenoeder" (also in Anführungszeichen) zu schreiben. |
Die besten Stufen finden sich in den alten Privatsammlungen der Region, eine herausragende Groß-Stufe ist in der öffentlichen Sammlung im Rathaus von Schwarzenfeld zu besichtigen.