Durch Vermessung und statistischer
Auswertung einer größeren
Anzahl konnten die Wölsendorfer Radiohalos zweifelsfrei der
U-238-Reihe zugeordnet werden. Dazu wurden die gemessenen Werte mit den
theoretisch berechneten Werten verglichen. Bekanntlicherweise
zerfällt Uran-238
238
U(a)
> 234
Th
(b)
> 234
Pa
(b)
> 234
U(a)
> 230
Th
(a)
> 226
Ra
(a)
> 222
Rn
(a)
> 218Po
(a)
> 214
Pb
(b)
> 214
Bi
(b) 214
Po
(a)
> 210
Pb
(b)
> 210
Bi
(b)
> 210
Po
(a)
> 206
Pb
(stabil)
über Alpha-
(a) und Beta-
(b)
Zerfall
über mehrere Schritte zum
stabilen Blei-206. Die beim Alpha-Zerfall freiwerdende Strahlung hat
für jedes Isotop eine typische Energie in der
Größenordnung von einigen (wenigen) MeV. Die Energie ist um
so kleiner
je größer die Halbwertszeit des Isotops ist
(Geiger-Nutall-Regel) und recht genau bekannt (siehe: NUDAT Datenbank
Version
2.4
(
http://www.nndc.bnl.gov/nudat2/
). Berücksichtigt man in der U-238-Reihe noch die
Zerfallswahrscheinlichkeiten (die ja unterschiedliche Alpha-Energien
haben) der Istotope mit über 1% Übergangswahrscheinlichkeit
so erhalten wir
aus den 8 (Alpha-zerfallenden) Isotopen 12 unterschiedliche Energien
für die in der U-238-Reihe freiwerdende Alpha-Strahlung. Die
Reichweite der Alpha-Strahlung hängt von ihrer Energie
und der durchlaufenden Materie ab. Während in Luft Stecken im
Bereich mehrerer Zentimeter erreicht werden liegt im viel dichteren
Fluorit
die maximal zurückgelegte Wegstrecke bei etwa einem
Zweitausenstel. Näherungsweise kann z.B. über das
ASTAR-Programm
(
http://www.physics.nist.gov/PhysRefData/Star/Text/ASTAR.html)
die Reichweite dieser Alpha-Strahlung in Fluorit berechnet werden. Die
erhaltenen Werte decken sich recht gut mit den beobachteten
Ring-Radien. Alleine die Reichweite erklärt aber nicht, warum wir
Ringe sehen. Für die Färbung von Fluorit in den Ringen sind
F-Zentren (Farbzentren) verantwortlich, also Anionenfehlstellen mit
eingefangenen
Elektronen (diese F-Zentren sind ggf. zu Ca-Kolloiden koaguliert). Die
Produktion von Fehlstellen im Fluorit ist auf der
zurückgelegten Bahn eines Alpha-Teilchchens nicht konstant. Im
Schnitt erzeugt ein Alpha-Teilchen ca. 160 Störstellen, die
Mehrzahl davon im Bereich kurz vor der maximalen Reichweite.
Mittels geeigneter Simulation (Monte-Carlo-Simulation, z.B. mit
SRIM-Programm
http://www.srim.org)
kann die Fehlstellen-Produktion eines Alpha-Teilchens über die
Wegstrecke ermittelt
werden:
Für U-238
(4,198MeV) Alpha-Zerfall entstehen im Abstand von 13 bis 14 µm
vom Kern im Fluorit die meisten Fehlstellen (SRIM 2008-03).
Ein deutlicher Peak gegen Ende der Reichweite zeigt, dass
hier sehr viel mehr Fehlstellen produziert werden als zu Beginn.
Summiert man diese Fehlstellen-Wahrscheinlichkeiten für
die einzelnen (12 Energien der 8 Alpha-Isotope der U-238-Reihe) auf,
erhält man
ein Diagramm das 5 Peaks (einen Doppelpeak) enthält. Das liegt
daran, dass einige Energien so dicht beisammen liegen, dass sich die
Spitzen überlagern.
Die Grafik zeigt
die Wahrscheinlichkeit für Fehlstellen und Ionisierung für
das
U-238-Alpha-Spektrum in Abhängigkeit von der Eindringtiefe, der
Peak ganz rechts zeichnet den Po-214 Ring mit etwa 34um Radius.
Diese Fehlstellen-Verteilung ist für die fünf (sechs)
beobachtbaren Ringe verantwortlich. Warum ist aber der Kern oft dunkel
gefärbt? Bekanntlich nimmt die Intensität um ein
punktförmige
Strahlungsquelle quadratisch zum Abstand ab (Abstandsgesetz, im
Diagramm
oben nicht berücksichtigt). Dieser Umstand lässt den
Halo-Kern dunkel erscheinen.
Andererseits muss es wenigstens einen gegenläufigen Effekt geben
der zum Ausbleichen führt, es finden sich nämlich auch
komplett entfärbte Höfe sowie helle Bereiche zwischen oder
anstelle der Ringe. Es ist zu vermuten dass dies durch
die ionisierende Wirkung der Alpha-Strahlung bedingt ist. Durchquert
das alpha-Teilchen das Kristallgitter ionisiert und erhitzt es das
Gitter wobei auch diese Funktion unstetig ist (Im Diagramm oben
graublau). Da schon die Färbung verschiedenen Wegen (+/-
assoziierte F
1 bis F
n
Zentren, ggf. kolloidales Ca) gefolgt sein kann ist die Entfärbung
bzw. Entfärbungsmöglichkeit unberechnebar. Das Wechselspiel
von
Färbung durch F-Zentren und Entfärbung durch Ionisierung
zeichnet im Zusammenwirken die Halos im Wölsendorfer Fluorit.
Literatur:
RAMDOHR, P., "Neue Beobachtungen
über radioaktive
Höfe und über radioaktive Sprengungen", Abh. d. deutschen
Akadem. d. W., Jahrgang 1957, Nr. 2, Akademie-Verlag Berlin, 17 S., 1958
RAMDOHR, P., "Weitere
Utersuchungen über radioaktive
Höfe und andere radioaktive Einwirkungen auf natürliche
Mineralien", Abh. d. deutschen Akadem. d. W., Jahrgang 1958, Nr. 4,
Akademie-Verlag Berlin, 24 S., 1958
SCHILLING, A., "Die radioaktiven
Höfe im
Flußspat von Wölsendorf", N. Jb. Mineral. usw. 53,
Beil.-Bd.,
Abt. A. S. 241-265, Stuttgart 1926
STEINMETZ, H. & BRÜLL, E.,
"Beiträge
zur Kenntnis der Farbverteilung in Fluoritkristallen", Heidelb. Beitr.
z. Mineral. u. Petr., 4, Heidelberg 1954
STEINMETZ, H. & BRÜLL, E., "Radioaktive Höfe mit
vierzähliger
Symmetrie im Fluorit von Wölsendorf", Heidelb. Beitr. z. Mineral.
u. Petr., 4, Heidelberg 1954 S. 255-268
STRUNZ, H., "Die Uranfunde in
Bayern
von 1804
bis 1962", Acta Albertina Ratisbonensia, 22, Regensburg 1962
ZIEHR, H., "Das
Nabburg-Wölsendorfer Flußspatrevier",
in Der Aufschluß Sonderband 6, Heidelberg 1957, S. 55-69
ZIEHR, H., "Das Wölsendorfer
Fluorit-Revier",
in "Zur Mineralogie und Geologie der Oberpfalz", Der Aufschluss
Sonderband
26, Heidelberg 1975, S. 207-242
(Weitere Arbeiten
siehe Literaturteil)