Geologie des Wölsendorfer Flußspatreviers
 
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Allgemein
Die Bezeichnung "Wölsendorfer Flußspatrevier" steht für ein etwa 15 km langes, ca. 8 km breites geologisch keineswegs einheitlich aufgebautes Gebiet am Westrand der moldanubischen Böhmischen Masse, das von ca 100 mehr oder weniger mächtigen Gängen, vorwiegend mit Flußspat- Baryt- und Quarzführung durchschwärmt wird. Lediglich 30 dieser Gänge hatten eine wirtschaftliche Bedeutung. Einige Gänge weisen Mächtigkeiten von über einem Meter auf (Maxima: 12 Meter) , andere erreichen nur cm-Stärke. Die Haupt-Streichrichtung ist etwa NW-SO, jedoch sind auch N-S Gänge (z.B. Hermine-Gang) mit bedeutenden Mächtigkeiten gebildet worden. Einzelne Gänge sind bis 300 Meter Teufe bergmännisch erschlossen und im  Streichen auf eine Länge von bis zu 4000 Meter zu verfolgen. Keiner der Gänge vertaubt zur Oberfläche hin. Das Revier weist einen zonaren Aufbau und eine vertikale Gliederung auf. Zentral finden sich die "dunklen" Gänge mit Uranmineralisationen und Stinkspat, im Randbereich die hellen Flußspat-Gänge oder Gänge die nur Baryt führen.
großräumiger Überblick
Zur Tektonik schreibt BAUBERGER (1982): "Großtektonisch gesehen liegt das Revier im Kreuzungsbereich des z.T. grabenartig ausgebildeten Schmidgadener Rotliegendbeckens mit der den Westrand des Regensburger und Oberpfälzer Waldes begleitenden Flußspat - Schwerspat -Mineralisationszone, so wie das Revier von Donaustauf im Kreuzungsbereich dieser Zone mit dem Rotliegendgraben von Donaustauf liegt." Hinzufügen könnte man die ähnliche Situation bei Erbendorf (Bleiglanzgänge) und bei Weiden-Edeldorf (Barytgänge), wo sich ja auch bedeutende Rotliegend-Tröge bilden konnten. Weiter schreibt BAUBERGER: "Es ist somit ein Zusammenhang zwischen der Tektonik des Pfahls, des Donaurandbruchs, der Keilbergstörung und deren Fortsetzung nach Norden (Fensterbach-Störung, Freihunger Störung) mit der Flußspatlagerstättenbildung in der Art gegeben, dass die Flußspatlagerstätten in Nachbarbereichen dieser Störzonen liegen, in den Störungszonen selbst aber keine bauwürdigen Vererzungen vorkommen."

Außerhalb des eigentlichen Reviers sind in jüngster Zeit kleine Flußspatgängchen in einem neu angelegten Steinbruch bei Saltendorf (nahe Wernberg) bekannt geworden. Hier zeigt sich violetter Flußspat in bis 5 cm mächtigen, im Gneis steilstehenden Gängchen sowie abseits davon mit Adular auf winzigen Klüften und in Drusen im Granit (siehe:  vfmg-weiden.de/fdm65.htm).
Pfahl
Die Wölsendorfer Flußspatgänge liegen bei gleicher Generalstreichrichtung am nordwestlichen Ende des Pfahls. Es wurden überdies in einigen dem Pfahl zugeordneten Quarz-Gängen Flußspat, Blei- und Uranmineralisationen gefunden, die einen genetischen Zusammenhang nahe legen. Das Nebengestein des Pfahls und der Flußspatgänge ist von wenigen Ausnahmen abgesehen moldanubisches Altkristallin, junges Deckgebirge wird nie berührt. HORN et. al. (1980) fand weitgehend übereinstimmende Isotopenverhältnisse und folgert daraus eine genetische Verwandschaft der Flußspatgänge und des Pfahls.
Barytgänge bei Luhe, Roggenstein, Weiden und Erbendorf
Bei den Orten Luhe, bei Roggenstein (dort sogar bergmännisch angegangen), östlich Edeldorf bei Weiden und am Kornberg bei Erbendorf treten geringmächtige monomineralische Barytgänge mit ähnlicher oder gleicher Streichrichtung auf. Der Edeldorfer Gang durchsetzt eine Rhyolith (Quarzporphyr) und hat eine Mächtigkeit von ca. 10-30 cm. Fluorit oder Erzmineralien (abgesehen mikroskopisch Kupferkies) sind von diesen Gängen nicht bekannt. Ähnliche, reine Barytgänge sind auch im engeren Bereich des Reviers (z.B. Gang von Diendorf) zu finden. Die Quarzporphyrgänge sind nach VOLL (1960) jünger als die nahegelegenen Granite von Leuchtenberg, Falkenberg und Flossenbürg. Die genannten Barytgänge sind sicher noch jünger, da sie wiederum den Rhyolith diskordant durchschneiden. Diese Barytgänge könnten als Folgeerscheinung des Rotliegend-Vulkanismus gedeutet werden denn z.B. von Rheinland-Pfalz sind ebensolche (dort quecksilberhaltige) Barytgänge im Gefolge des Rotliegend-Vulkanismus bekannt geworden.

Eine solche Zuordnung greift sicher für die Barytgänge von Edeldorf, Roggenstein, Luhe und Erbendorf, im eigentlichen Wölsendorfer Revier fehlte lange Zeit jeder Hinweis auf einen (umfangreichen) Rotliegend-Vulkanismus. So schreibt ZIEHR (1975) auch: "Die Quarzporphyrgänge bei Weiden - es sind 10 Gänge, die 200-1300 m lang sind und Mächtigkeiten von einigen Metern bis 300 m haben - kommen als Erzlieferanten der Fluoritgänge weniger in Betracht." Neuere Forschungen (Bohrungen bei Pingarten) haben erstmals Rhyolitische Gesteine in enger Nachbarschaft zu Flußspatgängen nachgewiesen.

Bleiglanz-Gänge bei Altfalter, Neustadt/WN, Wendersreuth und Erbendorf
Sieht man von Baryt und Fluorit ab kommen weitere erzführende Quarzgänge im großräumigen Bild in Betracht. Einmal finden sich bei Altfalter reine Bleiglanzgänge, also Quarzgänge, die keinen oder wenig Flußspat oder Baryt führen. Diese Gänge werden im allgemeinen unwiedersprochen den Wölsendorfer Gängen zugeordnet. Die Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende führenden Erzgänge bei Erbendorf liegen ebenfalls am Rand des kristallinen Grundgebirges, durchschlagen also ähnliches Gestein. In diesen Gängen fehlt zwar Fluorit, jedoch kommt Baryt stellenweise reichlich vor.  Bei Wendersreuth wurden von WEBER B. kleine Bleiglanz-, Kupferkies- und Zinkblende- führende Quarzgänge im Gneis beschrieben, die im großräumigen Bild eine weitere Lücke schließen. Gleiches gilt für die kürzlich beim Tunnelbau der Ortsumgehung Neustadt gefundenen Vererzungen. Hier treten geringmächtige Quarzgänge mit Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende auf. Ebenfalls mit Kupferkies vererzte Quarzgänchen wurden vor Jahren schon im Sauerbachtal angeschnitten. Vergleichende Isotopen-Untersuchungen oder absolute Altersbestimmungen dieser Vorkommen liegen zwar nicht vor, jedoch legt der stratigraphische Befund die Vermutung nahe, dass es sich wenigstens um altersähnliche Bildungen handelt. Für die Erbendorfer Bleiglanzgänge sieht STRUNZ (1953) oberkarbonisches oder permisches Alter.
Nebengesteine, kristalliner Rahmen des Reviers
Granit
Die Mehrzahl der Gänge, abgesehen von den Gängen der Grube Max , alle wirtschaftlich bedeutenden, liegen in einem alten meistens rötlich gefärbten fein bis grobkörnigen Granit. Dieser Granit ist älter als die Granite von Falkenberg, Flossenbürg oder Leuchtenberg und weist nur im unmittelbaren Kontakt mit den Flußspatgängen Veränderungen auf. Vielfach werden die feinkörnigen Granite als spätsudetisch, die grobkörnigen Granite, Aplitgranite, Aplite und Pegmatite als postsudetisch angesprochen.  Breccienartig in den Flußspatgängen eingeschlossene Granitbruchstücke sind von vielen Gängen bekannt, teilweise macht der Nebengesteinsanteil bis zu 20 % der Gangmasse aus. Die physikalisch-mechanischen Eigenschaften vom Granitgestein waren offenbar für die Enstehung von größeren, später mit Flußspat gefüllten Spalten günstiger als das in den anderen Nebengesteinen der Fall war. An der Grenze Granit/Gneis verlieren selbst bedeutende Gänge zum Gneis hin schnell an Mächtigkeit oder fallen sogar ganz aus.
Gneis
Wie bereits angemerkt klüftet der Gneis nicht so gut wie der Granit. BAUBERGER (1993) schreibt hierzu: "Ursache hierfür ist, daß Gneis im Gegensatz zu Granit bei tektonischer (mechanischer) Belastung nicht so gut klüftet und mit scherenden Ausgleichsbewegungen längs der Schieferungsflächen antwortet. Eine Ausnahme macht nur die Grube Max, deren Gänge im Gneis liegen." BOSSE (1965) schildert den geologischen Bau im südöstlichen Revierteil wie folgt: "Die Cordierit-Gneise nehmen den größten Raum ein. Sie sind zusammen mit ihren Einschaltungen, den quarzitischen Gneisen und den Kalksilikatlinsen, die ältesten Gesteine. Die Hornblende-Gneisschollen deute ich als boudinierte, umgewandelte Diabase. Diese präkambrische Gesteinsgesellschaft wurde um ältere, NE-streichende, und jüngere, herzynische Achsen verfaltet. Eine nachfolgende Anatexis (?bretonisch) führte zur Ausbildung von Cordierit-Fleckenaploiden und Metatekten. Anschließend entstanden auf diskonkordanten Bewegungszonen unter hohen p-T-Bedingungen die Plagioklas-Biotit-Diatexite. Damit begann die germanotype Tektonik, die in diesen großen Tiefen (5-10 km) nicht eine Kataklase zur Folge hatte, sondern durch Teilverflüssigungen eine Umschmelzung bewirkte."
Arkose
Diese permotriasischen Ablagerungen stellen die ältesten Sedimente im näheren Bereich der Flußspatgänge dar. Das Bayerische Geologische Landesamt schreibt zu der Arkose bei Pingarten: "Die Erzhäuser Arkose verdankt ihre Entstehung dem Transport durch Schlammströme oder 'Schichtfluten'. Darunter versteht man lawinenartig anschwellende Schlamm- und Wassermassen, die in gebirgigen Wüstenlandschaften durch plötzliche starke Regengüsse entstehen.  Diese episodisch auftretenden Fluten führen zu sehr rascher und weitgehend unsortierter Ablagerung der Sedimentfracht. Gesteine dieser Art (sog.  Fanglomerate) wurden in ganz Europa zur Zeit des Rotliegenden abgelagert. Die Erzhäuser Arkose gehört zur Füllung des permischen  Naabtrogs, eines Grabenbruches, der bis zu 2800 m eingetieft wurde und damit etwa die Dimensionen des heutigen Oberrheingrabens erreichte." MARCZINSKI (1969) schreibt: "Wenn die tonige Zementierung fehlt , tritt Flußspat auch als Porenfüllung auf." Daraus kann man ableiten, dass die Zuwanderung von Flußspat in einem frühen Stadium der Diagenese erfolgt ist.
Ausbildung der Gänge
Hauptmineralien
Die Gangfüllungen bestehen in erster Linie aus Fluorit, Baryt und Quarz. BAUBERGER (1982) nennt als groben Mittelwert Flußspat:Schwerspat 3:1, wobei der Quarzanteil im Mittel 10% der Gangmasse beträgt. Brekzien-artig  eingelagertes Nebengestein kann bis 20% der Gangmasse ausmachen.  Weder in einem Gang alleine, noch weniger über die Gänge hinweg ist die Hauptgangart konstant. Es liegen reine Flußspatgänge ohne Baryt (Gisela-Gang), reine Barytgänge ohne Flußspat und auch Quarzgänge, die weder Flußspat noch Baryt, aber z.B. Bleiglanz führen (Altfalter), vor.
Gangbilder
Das ideale symmetrisch bilaterale Gangbild zeigt sich im Wölsendorfer Revier nur selten. Da es während der Mineralisation zu tektonischen Bewegungen kam, durchstzen häufig jüngere Flußspat/Schwerspatgänge ältere Gänge.
 

Das Bild links zeigt das Gangbild des Rolandgangs nördlich Wölsendorf an der Autobhan. Bildbreite 1,2 Meter. Deutlich zeichnet sich der dunkel-violette  Flußspat vom brekziösen rötlichen Granit am. Die hellen Bänder sind Quarz. Baryt fehlt an dieser Stelle.
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Allgemein ist das Idealbild mit den ältesten Mineralisationen an den Salbändern und den jüngsten Abscheidungen in der Mitte bei kleineren Gängen und Gängchen häufiger zu sehen als bei mächtigeren Gängen. Alle Nebengesteine werden diskordant durchschlagen.
Streichen und Tektonik
Der von FÜRST & BANDELOW (1982) vorgenommene Vergleich der gefügekundlichen Geländedaten mit Photolineationen führte zu der Ableitung und Darstellung eines Schollenmosaiks. Zwar war diese Arbeit auf das östliche Revierteil begrenzt, doch fällt auf, dass: "Fast alle Flußsspatgänge koinzidieren mit lang ausstreichenden Schollengrenzen, vornehmlich im mittleren Areal und seinen Rändern". Es kann zweifelsfrei festgestellt werden, dass die Mineralisationen der Flußspatgänge unter tektonischer Kontrolle erfolgt sind. Als bevorzugte Richtungen werden 135-145° und 80-90° angegeben. Harnische an den Salbändern weisen (nach DORN 1936) häufiger auf Horizontal- seltener auf Vertikalbewegungen hin.
Mächtigkeit
Die Mächtigkeit der Gänge schwankt in weiten Grenzen von wenigen cm bis mehrere Meter. Selbst ein mächtiger Gang kann sich stellenweise soweit einschnüren, dass er, bei ausbleibender Flußspat/Barytführung nur noch als schmales Lehm-Klüftchen zu verfolgen ist, wenige Meter weiter aber wieder an Mächtigkeit gewinnt. Diese Unstetigkeit führte bei den Bergleuten zu dem oft zitierten Satz "Der Spat ist ein Lump". Die Gangmächtigkeit weist an Scharungen ihre Maxima mit 6, 8, ja sogar 12 Metern auf (Marienschacht, Cäcilia). Bergbaulich war weniger die Gangmächtigkeit, vielmehr die Spatmächtigkeit von Interesse. Die Spatmächtigkeiten liegen im Durchschnitt um 20 bis 40 Prozent niedriger als die Gangmächtigkeiten.
Alter der Flußspatgänge
Neuere Forschungen haben das Alter der Flußspatgänge geklärt, sie entstanden im oberen Perm (BAUBERGER & ENDLICHER 1993), also vor ca. 250-270 Millionen Jahren.

Alter aus absoluter Altersbestimmung

Die Technik der radiometrischen absoluten Altersbestimmung hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte an Genauigkeit und damit an Aussagekraft gemacht. Dennoch muss man bedenken, dass es sich um eine punktuelle Untersuchung des Alters eines bestimmten Minerals handelt. Leider sind radiometrische Altersbestimmungen weder an Baryt noch an Fluorit möglich. Die untersuchten Mineralien Paradoxit und Pechblende treten erstens nur selten und zweitens auch nicht im gesamten Revier auf. Die Pechblende gehört dabei unstrittig zu einer frühen, vermutlich zur ersten Mineralisationsphase in den Gängen.

Paradoxit
Paradoxit ist ein hydrothermal gebildeter Feldspat (Adular). Die K/Ar-Altersbestimmung des Paradoxit ergab 254 +/- 6 Ma (nach BROCKAMPT & ZUTHER, 1985), für Rb/Sr nach LIPPOLT, MERTZ & ZIEHR (1985) 264 +/- 4 Ma
Pechblende
Nach CARL & DILL (1984) erbrachte die absolute U-Pb-Altersbestimmung an Pechblende ein Alter von 295 +/- 14 Ma Jahren.  Eine Altersbestimmung von WENDT für Pechblende vom Barbaragang (60-m Sohle) ergab nach TEUSCHER (1972) ein höchstes Alter von 180 Millionen Jahren. Für Pechblende aus einem E-W streichenden Gang bei Altfalter hat DILL (1984) ein Alter von 206 +/- 3 Ma bestimmt. HECHT & KROUPA (1934) geben für die Pechblende ein Alter von 200 Millionen Jahren an, jedoch sind diese ersten Messungen nach ZIEHR mit einigen Fehlermöglichkeiten behaftet.
Termolumineszenz-Untersuchungen
Der Versuch einer absoluten Altersbestimmung aufgrund von Thermolumineszenzuntersuchungen am Wölsendorfer Fluorit scheint wenigstens problematisch, wenn nicht fragwürdig. Die Ursache der TL (auch deren Spektrum und Intensität) hängt leider von vielen Parametern ab die vom geologischen Alter unabhängig sind.
Alter aus gelog. Stellung
Ein in der Hauptmasse im Kristallin liegender Gang der Grube Cäcilia greift ohne besondere Störung in Sedimente des Unterrotliegenden (270-290 Ma) über, muss also jünger sein. Das Vorkommen von Pingarten liegt in einer verfestigten Arkose der Permotrias (also Ablagerungen mit einem Alter von 240-254 Millionen Jahren), wobei man allerdings (siehe oben) die Flußspatbildung zeitlich nahe an den Beginn der Diagenese legen muss und die genaue zeitliche Einordnung der Arkose Probleme bereitet.
Dauer der Bildung
Übereinstimmend sehen fast alle Autoren ein längere, mehrphasige Bildung als gesichert an. Zwischen und während der einzelnen Mineralisationsphasen sind mehrere tektonische Phasen nachzuweisen.
Bildungstemperaturen
Je nach Teufe und Bildungstemperatur gliedert man in:
Die Flußspatgänge im Wölsendorfer Revier sind nicht einheitlich einem Lagerstättentyp zuzuordnen, vielmehr ist eine räumliche, d.h. zonare Differzierung und eine, in den einzelnen Mineralisationsphasen nacheinander abklingende Bildungstemperatur anzunehmen. Die höchsten (mesothermalen) Bildungen finden sich nur im zetralen Revierteil (Quarz I, Pechblende I), die Masse an Flußspat und Baryt wurde unter (meso- bis) epithermalen Bedingungen gebildet.

Bildungstemperatur aus Kristall-Tracht

Vielfach sind schon Untersuchungen mit dem Ziel vorgenommen worden aus der vorliegenden Kristalltracht, in Einzelfällen auch unter Einbeziehung des Habitus, Rückschlüsse auf die bei der Kristallisation herrschenden Temperatur- (und Druck-) Bedingungen zu ziehen. Da z.B. auch Lösungsgenossen die Kristalltracht bestimmter Mineralien beeinflussen sind diese Aussagen immer mit gewisser Vorsicht zu betrachten. Für derartige Überlegungen eignen sich im Wölsendorfer Revier besonders Flußspat, Kalkspat und Quarz.

Bildungstemperatur von Flußspatkristallen
Flußspat zeigt im gesamten Revier sowohl die höherthermale Oktaeder-Tracht (typisch > 160°C) wie auch - und das viel häufiger - die niedriger thermale Würfelform (typisch <140°C). Die Oktaeder gehören dabei vorzugsweise einer frühen, i.d.R. der ersten oder zweiten Flußspatgeneration an. Die seltenen Kristallformen Pyramidenwürfel und Rhombendodekaeder könnten bei höheren Temperaturen (zwischen Oktaeder und Würfel), die "Skalenoeder" sicher bei abklingenden Temperaturen entstanden sein. Tracht-Studien  und Untersuchungen von Phantomen erlauben die Aussage, dass im Revier an vielen Orten die Fluorit-Kristallisation bei höheren Temperaturen (Oktaeder) begann, dann langsam sank (Rhombendodekaeder) und epithermal (mit Würfel) endete. Eine deutliche vertikale Temperaturzonierung ist nicht erkennbar.

Durch Untersuchung der "Homogenisierungstemperatur" von merphasigen Einschlüssen in Fluorit-Kristallen kann ebenfalls auf die Bildungstemperatur zurückgerechnet werden, genauere Untersuchungen für das Revier stehen jedoch noch aus.
von Kalkspat
KOHL beschreibt aus den Lissenthaner Gruben jungen, tiefhydrothermalen Trachttyp "Freiberg" für Calcit. In der ersten Mineralisationsphase haben sich skalenoedrische Kalkspatkristalle gebildet, die heute vielfach nur noch als Pseudomorphosen oder Perimorphosen (Umhüllungs-Pseudomorphosen) vorliegen und für die höhere Bildungs-Temperaturen wahrscheinlich sind.
Bildungstemperatur und Mineralabfolge
Die Mineralisation erfolgte in mehreren Phasen, wobei einzelnen Gängen durchaus einzelne Phasen fehlen können. Die von ZIEHR (1954, 1957, 1975) angebebene 5-phasige Mineralabfolge gilt heute als gesichert. Am (hochtemperierten) Anfang steht u.a. Pechblende, am niederthermalen Ende z.B. Fluorit IV z.T. mit eingewachsenen Zinnober-Kristallen.
  • - Quarz I, Pechblende I, Kupferkies I, Bleiglanz I, Pyrit I
  • - Fluorit I (Stinkspat, häufig Oktaeder), Pechblende II, Pyrit II, Dolomit I, Quarz IIa, Calcit I
  • - Fluorit IIa (violett) und Fluorit IIb (grün), Quarz IIb, Baryt I, Quarz III (Eisenkiesel)
  • - Fluorit III (hell), Dolomit II, Baryt II, Kupferkies II, Pyrit III, Quarz IV
  • - Dolomit III, Fluorit IV (violette Kanten), Calcit II, Kupferkies III, Baryt III, Batyt IV
Bildungsart, stoffliche Quellen
Die Gänge im Wölsendorfer Flußspatrevier sind hydrothermal entstanden. Zum hydrothermalen Stadium wird allgemein  das Ausscheidungsgebiet unterhalb der kritischen Temperatur des Wassers (400°) bis zu seinem Siedepunkt (100°) gerechnet. Die Herkunft dieser wässrigen Lösungen kann unabhängig vom Mechanismus der Erwärmung auf zwei verschiedene Arten erklärt werden. Einmal könnten die hydrothermalen Lösungen magmatischen Ursprungs sein, also niedrigtemperierte, residuale Fluide, die nach der Pegmatitkristallisation bei sinkenden Temperaturen übrigbleiben. Eine zweite Möglichkeit besteht in der Mobilisation fossiler Wässer, die aus dem durchwanderten Nebengestein ihre Mineralfracht aufnahmen. Der Mineralgehalt der Gänge ist typisch für hydrothermale Restlösungen (granitisch-) magmatischen Ursprungs.
Wärmequelle: verborgener Granit-Magmenkörper des Rotliegend-Vulkanismus
Als Wärmequelle ist ein in der Tiefe liegender Magmenkörper anzusehen. Im Rahmen des Rotliegend-Vulkanismus haben sich vielfach am Westrand der Böhmischen Masse Rhyolith (Quarzporphyr-) Gänge in tektonisch begründeten Spalten gebildet.

Der zeitliche und räumliche Abstand erlaubt nicht die Annahme, dass die Temperaturen (und stofflichen Quellen) im Nachhall der nordoberpfälzer variskischen Granite von Flossenbürg, Leuchtenberg usw. zu sehen sind. Aus Altersgründen scheiden auch die im Moldanubikum liegenden (nahegelegenen, häufig roten) Granite der mittleren Oberpfalz aus, sie sind noch älter einzustufen.

Drei Befunde sprechen für einen in der Tiefe liegenden Magmenkörper: Im großräumigen Befund (siehe oben) treten bei Roggenstein, Edeldorf, Luhe und bei Erbendorf Barytgänge in, oder in der Nähe von Rhyolith-Gängen auf.  Zweitens weist das Revier einen thermisch- und zeitlich bedingten Zonarbau auf. BAUBERGER (1965) schreibt: "Die ersten und zeitgleich am höchsten temperierten Mineralgenerationen gelangten in dem Zentralbereich um Wölsendorf zum Absatz, der vom Magmenkörper bereits genügend erwärmt war, um einen Mineralabsatz zu ermöglichen. Später waren von diesem Batolithen die Geoisothermen  weiter nach außen gewandert, im ganzen heutigen Lagerstättenrevier kam es zu Mineralisationen." Auch die primären Teufenunterschiede wurden durch diesen Magmenkörper begründet. Letztendlich wurde neuerdings in einer Bohrung bei Pingarten in der Nähe von kleinen Flußspatgänchen ein granitischer Rhyolith erbohrt. (BAUBERGER & ENDLICHER 1993)

Differentiation aus dem Nebengestein
Die Anreicherung durch Selbstversorgung aus dem Nebengestein, besonders aus dem triasischen Vorland wird neuerdings wieder diskutiert. KÖHLER (1941) hatte bei seinem Bildungsmodell Probleme die großen Mengen der Elemente Barium und Fluor zu erklären. Wärend er Barium noch als "in Feldspäten getarnt" vermutet, zieht er beim Fluor doch einen rhyolithischen Plutonit als stoffliche Quelle in Betracht. Im Gegensatz zu DILL (1985) begrenzt allerdings KÖHLER den Reaktionsraum der Selbstversorgung auf die kristallinen Gesteine.  DILL weist auf den möglicherweise nicht zufälligen Umstand hin dass den hydrothermalen Lagerstätten von Rothenkirchen (Frankenwald) bis Donaustauf überall Triassedimente vorgelagert sind. Durch die in der KTB gefundene hohe Mobilität mineralischer Wässer auch in großer Teufe haben diese Überlegungen an Boden gewonnen, was jedoch die Trias-Sedimente betrifft, muss man bemerken, dass nach den absoluten Altersbestimmungen die Hauptmasse der Flußspatgänge im oberen Perm mineralisiert ist. Die jüngeren Trias-Sedimente kommen als stoffliche Quelle also nicht in Betracht.
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