Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz
von Mathias Flurl
München, 1792
Diese erste große Abhandlung zur Geologie, den Lagerstätten und Mineralien Bayerns beschreibt natürlich auch die Wölsendorfer Gänge. Zu jener Zeit bestand (noch) kein Interesse an Flußspat, auch der Bergbau auf Blei war schon 70 Jahre früher aufgegeben worden.

In der "Dritten Abteilung" und hier im "Dreyßigsten Brief" ab Seite 360 berichtet Mathias Flurl:

Die Gänge selbst streichen nach verschiedenen Richtungen, doch meistens von Morgen in Abend, und haben bald Quarz, bald Flußspat, bald beydes zugleich und nicht selten auch Schwerspat zur Masse. Ein mächtiger Flußspatgang dieser Art findet sich bey Welsendorf eine Stunde von Schwarzenfeld, und es ist noch nicht gar lange, daß hierauf ein kleiner Stollen auf Erz angetrieben worden ist. Der Flußspat selbst hat da größtenteils eine so dunkle violblaue Farbe, daß er manchmal, besonders, wenn er etwas lange in der Luft gelegen, fast schwarz erscheint, und nur sparsam einige gras- oder schmaragdgrüne Lagen bey sich führt. Er bricht durchaus derb oder in vollkommenen Würfeln krystallisiert; führt aber, so weit er dermal aufgeschlossen ist, an Metallen nichts anderes, als schmale nur anderthalb Linien mächtige Streifen von Eisenglimmer bey sich ...  In einer größeren Teufe dürften sich aber seine Anbrüche wohl veredeln.

Die recht genauen Beobachtungen legen den Schluß nahe, dass sich Flurl hier östlich der Naab, am Wölsenberg befunden hat. Der kleine Versuchsstollen auf Erz dürfte auch jener (von ca. 1780) sein, von dem auch GÜMBEL (1886 auf Seite 516) berichtet.  Verständlicherweise geht Flurl viel umfangreicher auf die Blei-vererzten Weidigner Gänge im Süd-Ost-Teil des Reviers ein.

Quarz mit dergleichen grasgrünen Flußspate macht auch die Gangmasse am Kulch, und eben ein solcher violblauer Flußspat findet sich auch den Gängen von Altfalter beygemengt. Bey Weyding, als dem Hauptorte dieses hoffnungsvollen Gebirges ist an dem Fuße ein Flötz von blaulichgrauem Thone angeschwemmt, über welchem eine Lage von bituminösen Holzes gleich unter der Dammerde ruht. Das Gebirge selbst steigt sehr sanft an, und streicht längs der Schwarzach nach Altfalter und Korndorf hinüber. Beynahe in der Mitte des südlichen Gehänges befindet sich ein etwas vertiefter Fahrtweg.  In diesem sieht man gleichfalls am Tage einen etwas über einen Schuh mächtigen Gang durch das Gebirge setzen. Die Masse desselben besteht aber hier vom Tage her aus einem dem Granite ähnlichen Gemenge, welches aus fleischrothem Feldspate, grauen Quarze und grünem Speckstein zusammengesetzt ist. Auf diesem Gang war zwar von unseren Vorfahren schon vor mehr als 200 Jahren gebaut worden; warum dieselber aber nach der Zeit wieder nachgelassen hat, ist mir unbekannt.

Nach einem Hinweis auf die Bergordnung von 1534 "für die Bergwerke zu und um Altfalter" folgt auf den nächsten Seiten eine detailreiche Schilderung für die Zeit von 1712 bis ca. 1720 und endet mit recht harten Worten:

Würde man in Sachsen, auf dem Harze und in anderen im Bergwesen mehr kundigen Ländern den Bergbau allemal auflassen, wenn die Erze einmal ausgesetzt haben, so wäre in wenigen Jahren alle Stollen und Schächte öde, und der ganze Bergbau niedergelegt. Gute Nacht dann, liebes Teutschland!

Aus heutiger Sicht hatte die Stillegung der Bleierzgruben drei Gründe: Erstens die "verstaatlichung" des Bergbaus durch Maximilian II, zweitens der Umstand, dass Bleierz anderswo (etwa Freihung westlilch Weiden über 60 Gruben !) günstiger gefördert werden konnte und drittens war die mittlere Oberpfalz fast ständig in Unruhe (Bauernaufstand, Feldzüge, Plünderungen ...) Flußspatbergbau sollte erst Mitte des 19. Jh. aufkommen.


 
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