Fluorit im Wölsendorfer Flußspat-Revier
 
Wölsendorf  - Mineralien   -  Gruben  -   Literatur  - Geschichte  -  Geologie  - Fluorit
Fluorit   -  Farben  -  Lumineszenz  -  Kristallform  -  Phantome  -  Oberfläche  -  Stinkspat  -  Bilder

Fluorit, Flussspat

Chem. Formel: CaF2
Härte: 4
Strich: weiß
Synonym: Flußspat, Flussspat
auch: Stinkspat, Honigspat, Antozonit, Spat
Chlorophan, Stinkfluß, Blue John, Regenbogenfluorit
Fluorit ("Spat") war nicht nur das Hauptmineral in den Gängen, auch galt das wirtschaftliche (Haupt-) Interesse diesem Mineral. Die Bezeichung "Fluorit" ist als Mineralname nicht mit dem chemischen Begriff "Fluorid" (Sammelbezeichnung für die Salze der HF-Säure) zu verwechseln. Wölsendorfer Flussspat ist ausgesprochen farben- und formenreich. Auf dieser und einigen untergeordneten Seiten werden das Erscheinungsbild und die Eigenschaften von Flußspat (-Kristallen) aus dem Wölsendorfer Revier eingehend beschrieben.
Größe und Häufigkeit der Kristalle

Die Kristallgröße (im Revier) reicht von mm bis in den (mehrere) cm Bereich, als "groß" gelten 6 cm Kantenlänge, nach älteren Literaturangaben ("Der Aufschluss" 12/1963) maximal bis 10 cm Kantenlänge, eine Honigspatstufe mit Würfeln fast dieser Kantenlänge ist im Steinberger Museum zu sehen. Bergleute berichten von bis zu 15 cm Kantenlänge, jedoch habe ich ein solches Stück (noch ?) nicht gesehen. In neuerer Literatur wird mit 14 cm (ZIEHR 2003, S. 196) Kantenlänge einer der größten bekannten Kristalle (Honigspat, Johannesschacht) abgebildet. Von der Gesamtmenge des Fluorits her gesehen sind Kristalle mit weniger als 1% durchaus selten.

Begleitmineralien 

Gerne wird Fluorit von Baryt, der etwa gleichzeitig (und auch in mehreren Generationen) entstanden ist, begleitet. Es wird ein Verhältnis von Fluorit zu Baryt in den Gängen von ca. 2:1 genannt, dies kann allerdings stark schwanken. Typisch für das Revier ist das Begleitmineral Quarz als jüngere Bildung, wobei verschieden stark gefärbte Kriställchen große Fluoritkristalle gerne "überzuckern". Ein- und aufgewachsen findet sich oft Markasit, Pyrit, Zinnober, Bleiglanz, Kupferkies, Hämatit, Goethit und einige andere Mineralien.

Pseudomorphosen und Perimorphosen

Fluorit-Pseudomorphosen und Perimorphosen sind im Revier weit verbreitet. Häufig sind Pseudomorphosen von Quarz nach Fluorit-Würfeln (bis mehrere cm Kantenlänge), Quarz nach Fluorit-Oktaedern, sehr selten Quarz nach Fluorit-Pyramidenwürfeln. Zu diesem Thema siehe Seite Pseudomorphosen. Selten ist Fluorit auch nach anderen Mineralien z.B. Baryt nach Fluorit (Würfel) pseudomorph. Sehr gute Perimorphosen von Quarz nach Fluorit-Oktaedern wurden von der Grube Merkur bekannt.

Bezeichnungen

Fluorit - Flußspat - Flußspath
Die mineralogisch richtige (pre-IMA anerkannte) Bezeichnung ist "Fluorit" (engl. Fluorite). Häufig synonym gebräuchlich ist auch "Flußspat" (engl. "Fluorspar" oder auch "Flußspat"), eingeführt durch G. Acricola (1529). Früher (bis zur Rechtschreibreform 1876 ?) fand man die Schreibung "Flußspath". Von einigen Autoren wird Fluorit und Flußspat nicht synonym gesehen. So bezeichnet SEROKA, P.  in "Fluorit - Daten, Fakten, weltweite Vorkommen, 2001" mit Fluorit das Mineral i.e.S., mit Flußspat dagegen das Industriemineral bzw. wirtschaftlich relevante Mineral (-Vorkommen).

Flußspat - Flussspat
Die neuerdings öfters zu findende Schreibweise "Flussspat" oder "Fluss-Spat" wird mit der Rechtschreibreform von 1996 begründet. Im Wörterverzeichnis der "amtlichen Regelung" wird Fluß (alte Schreibweise) zu Fluss (neue Schreibweise). "Flußspat" wird im Gegensatz zu z.B. "Flusssand" im amtlichen Wörterverzeichnis von 1996 nicht genannt, wohl aber in einigen Sekundärarbeiten. Angeführt wird das Stammprinzip und Ersetzung von 'ß' durch 'ss' nach kurzem Vokal (§25). Die Minerabezeichnung "Flußspat" ist als Eigenname bzw. Fachwort  zu sehen folglich greifen weder Stammprinzip noch §25. Die Arbeitsgruppe der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen hat in ihrem Beschluss zur Umsetzung der Rechtschreibreform (16.12.1998) festgelegt: "Im Wissenschaftsbetrieb gebrauchte Fachwörter werden in der alten Form geschrieben." Deswegen hätte man von der Bezeichnung "Flussspat" eigentlich Abstand nehmen sollen. Dennoch hat sich heute "Flussspat" durchgesetzt.
 

Hüttenspat Verwendung als Flussmittel in der Kupfer-, Eisen- und Sahlproduktion
Säurespat reiner Flußspat für die chem. Industrie, zu Erzeugung von Flußsäure, heute wichtigste Anwendung
Keramikspat in der Glas- und feinkeramischen Industrie
Stückspat unafbereiteter, "stückiger" Flußspat, Verwendung als Hüttenspat
optischer Spat hochreiner, durchsichtiger Flußspat findet (heute künstlich gezüchtet) in der optischen Industrie für Linsen und Prismen Verwendung
Androdamant wenig gebräuchliger Name als Schmuckstein / Heilstein
Blue John blauviolett gebänderter Flußspat als Schmuckstein und für Kunstgegenstände, vorw. aus England
Antozonit
Stinkspat
Stinkfluß
schwarzvioletter , beim Anschlagen nach Ozon riechender (Fluor als Reaktionsprodukt entsteht Ozon) Flußspat. Antozonit: Typlokalität Wölsendorf, jedoch nicht IMA-anerkannter Mineralname, Stinkfluß heute nicht mehr gebräuchlich
Honigspat Flußspat von honigbrauner Farbe
Chlorophan Thermolumineszenz zeigender Flußspat
Regenbogenfluorit gebändert, schöne Farben zeigend, Verwendung im Kunsthandwerk, Schmuck und Esoterik