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| Farben und
Farbeigenschaften - Halos |

Reiner Flußspat ist wasserklar. Typischerweise ist der Fluorit im Wölsendorfer Revier durch Farbzentren, an Anionen-Fehlstellen gebunden und durch radioaktive Einwirkung aktiviert, gefärbt. Diese F-Zentren sind durch Yttrium, Seltene Erden, Eisen und andere Elemente im Kristallgiter stabilisiert. Die Färbung gerade von schwarzen Kristallen ist selten gleichmäßig, vielmehr wechseln sich häufig stark gefärbte Wachstums-Schichten mit praktisch klaren Zonen ab. Das trifft sowohl für die Masse in den Gängen wie auch für einzelne Kristalle zu. Über die Ursache(n) der Färbung gibt es eine große Zahl wissenschaftliche Untersuchungen aber sicher kennt man noch nicht alle Zusammenhänge. Für Flußspat aus dem zentralen Revierteil und hier namentlich für grüne, violette, sicher aber für die schwarzen Farbtöne wurden Kalzium-Kolloide und Kristallgitter-Fehler, entstanden durch radioaktive Bestrahlung ("Fehlstellen-Kondensation"), veantwortlich gemacht (siehe Stinkspat). Im Flußspat-Gitter natürlicherweise eingelagertes Uran reicht (nach einer Berechnung von STRUNZ) bei einigen Fluorit-Proben aus dem zentralen Revierteil zur "Selbstfärbung" innerhalb von etwa 1000 Jahren aus. Andererseits hat man vielfach auch eingelagerte Uranmineralien gefunden. Um solche kleinen radioaktiven Partikel haben sich (unter dem Mikroskop am Dünnschliff zu erkennende) scharfe, stark gefärbte konzentrische Ringe als "radioaktiver Hof" gebildet. Solche "Halos" (Emanationshöfe) erlauben Messungen über die Alpha-Strahlen-Reichweite in Fluorit, wodurch wiederum die Elemente, ja sogar die Isotope, die hier zerfallen sind, eindeutig bestimmt werden konnten. SCHILLING A. (1926) hat diese Ringe eingehend untersucht und beschrieben. Für durchgehend gleichartig gefärbte Fluorite, wie sie öfters im Randbereich des Reviers auftreten kommt eingelagertes Uran (und Uranmineralien) zur Aktivierung der Fehlstellen weniger in Betracht. Hier könnte in geologischen Zeiten die 40K-Strahlung aus den Feldspäten im umgebenden Granit verantwortlich sein.
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Von wasserklar ("optischer
Spat") bis tiefschwarz
("Stinkspat")
zarteste Gelb-, Grün, Rosa- und Violettöne, aber auch
kräftiges
honigbraun ("Honigspat"), sattes blauviolett und schönes
grün,
kurzum alles, was man von Fluorit kennt, wurde im Wölsendorfer
Revier
gefunden. Und doch gibt es Besonderheiten, die kennzeichnend sind. Man
unterscheidet fünf typische Fluorit-Färbungen. |
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Honigspat wird eine Farb-Variante aus dem zetralen
Revierteil
genannt. Kräftiges honigbraun und häufig durch
Eisen-Mineralien
tiefrot eingefärbte Oberfläche zeichnet diese Stücke
unverkennbar
aus. Die schönsten und größten "Honigspate" kamen vom
Johannesschacht
(aus einer Kaolin-Kluft, oft wurde jedoch "Marienschacht" angegeben, da
zu diesem Zeitpunkt alle Förderung des Verbundbergwerks über
den MS erfolgte), Marienschacht und von der Grube Roland.
Bild links eine Stufe aus dem Verbundbergwerk, Kantenlänge der Kristalle bis 3,5 cm |
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Grüner Fluorit kommt in
vielen Farbtönen im Wölsendorfer Revier vor. Es scheint
dabei - ähnlich wie beim Honigspat - eher eine einheitliche, wenig
zu Phantomen neigende Färbung zu sein. Prachtvolle grüne
Kristalle stammen von den Gruben Erika, Cäcilia, Heißer
Stein, Hermine und vielen anderen Gruben. Bild links ein "Ochsenauge" aus dem Bleiloch bei Schwarzenfeld, Bildbreite kanpp 2 cm |
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Violetter Fluorit ist im
Wölsendorfer Revier die häufigste Farbfariante. Von zarten
rosa (nur von der Grube Erika) über rot-violett, blauvieolett bis
schwarz-violett zeigt sich ein breites Spektrum. Das Bild links zeigt 1,5 cm große Kristalle vom Schwarzachstollen. |
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Stinkspat
ist eine tiefschwarze, beim Anschlagen
"stinkende"
Fußspat-Variante. Antozonit ist kein anerkannter
gültiger
Mineralienname, in der Literatur wird Wölsendorf als
Typlokalität
für Antozonit angegeben. Der Zusammenhang von dunkelvioletter
Farbe
und Geruch wurde schon von C. F. SCHÖNBEIN (1861) geschildert,
noch
bevor das Element Fluor, das ja für den Geruch verantwortlich ist
(durch Moissan 1886), entdeckt war. Bild links vom Marienschacht, Bildbreite ca. 2 cm. |
Eine Besonderheit (und Seltenheit) sind Flußsspatkristalle die ihre Farbe je nach Beleuchtung (natürlich/künstlich) ändern. Dieser Effekt ist in geringer Ausprägung öfters (z.B. Elmwood) zu beobachten, im Revier war lediglich bei einigen Kristallen aus dem Schwarzachstollen ein starker Alexandrit-Farbwechsel (also unter natürlichem Licht blaugrün, künstliches Licht: violettrot) zu beobachten.
![]() Fluorit-Kristall unter (künstlichem) Halogen-Licht |
![]() gleicher Kristall unter Tageslicht (bedeckter Himmel) |
Ein praktisch identischer (starker) Farbwechsel ist für Fluorit von USA (Blanchard Mine, Socorro Country, New Mexico) beschrieben (siehe auch www.seilnacht.tuttlingen.com/versuche/exphlog.html). R. LECKEBUSCH hat (Aufschluss 27, 1976, S. 277-280) die Abhängigkeit der Farbe von der Beleuchtungsart beim Alexandrit und Fluorit und ihre Ursachen untersucht. Im Gegensatz zu Alexandrit, dessen Farbwechsel durch sein Transmissionsspektrum zu erklären war, zeigte der untersuchte Fluorit (Fundort: Dalcoath Mine, Cornwall, England) den Farbwechsel aufgrund von Tageslicht-Lumineszenz, die durch zweiwertiges Europium auf Ca2+ Positionen im Fluorit-Gitter zurückzuführen ist. Wiederum im Gegensatz zu dieser Beobachtung ist der Farbwechsel bei Fluorit vom Schwarzach-Stollen sicher nicht durch Fluoreszenz bedingt, vielmehr dürfte hier -wie beim Alexandrit- das selektive Transmissions-Spektrum entscheidend sein.Veränderungen der Farbe durch Sonnenlicht:
Die große Mehrheit der Flußspatkristalle sind gegen Sonnenlicht weitgehend unempflindlich, d.h. sie bleichen nicht aus. Extremen Farbverlust kennt man von machen Fluoriten aus Berbes (Spanien) und hat man bislang aus Wölsendorf selten beobachtet. Jedoch konnte - nach nur 10-tägiger Sonneneinstrahlung bei den (oben beschriebenen) Schwarzachstollen-Fluoriten ein fast kompletter Farbverlust beobachtet werden. Ob - und ggf. wie - die ursprüngliche Farbe wieder hergestellt werden könnte ist nicht bekannt.
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Bemerkenswert ist, dass der Farbverlust nicht (oder nicht so stark) die violetten Phantome, die sich hier besonders in den Kristall-Ecken zeigen, betrifft.Ähnlich gefärbten Kristalle der Grube Max zeigen ebenfalls Farbverluste unter Sonnenlicht, beschrieben wurde das von BOSSE (1959) und von RIEDEL H. (1952) für Flußspat der Grube Cäcilia: "Die zonar, als auch lateral im Grubenbereich wechselnde Färbung (im Osten die dunklen, im Westen die hellen Varietäten) ist äusserst empfindlich gegen Licht und Wärme. Am starken Licht bleichen viele Flußspäte nach wenigen Tagen aus. Ein Teil des wasserklaren optischen Flußspates dürfte wohl seine letzte Klärung der Einwirkung des Lichtes verdanken."
Literatur:
BILL, H. (1982) Origin of the coloration of yellow fluorites: the O3– center structure and dynamical aspects. J. Chem. Phys. 76, 219-224.
Trinkler, M., Monecke, T., Thomas, R. (2005) Constraints on the genesis of yellow fluorite in hydrothermal barite-fluorite veins of the Erzgebirge, Eastern Germany: Evidence from optical absorption spectroscopy, rare-earth-element data and fluid-inclusion investigations. The Canadian Mineralogist 43, 883-898.