Strengit von Pleystein


Der Kreuzberg in Pleystein gilt als einer der weltbesten Fundorte für Strengit. Ursprünglich wurden die Pleysteiner Strengite wohl aufgrund ihrer violetten Farbe für unbedeutende Amethyste gehalten *). Als "Entdecker" dass es sich um das Eisenphosphat Strengit handelt gilt Pater Hieronymus Wentzel und Brauereibesitzer Ferdinand Lehner. Beide hatten in den Jahren bis ca. 1924 in Pleystein beste Funde gemacht und gute Stücke an die Bayerische Staatssammlung nach München abgegeben **).

Umfangreiche Untersuchungen zur Kristallographie von Strengit hat H. WILK vorgenommen, dabei hat er eine vierstellige Anzahl von Kristallen vermessen. Pleysteiner Strengit zeigt sich - nach Rockbridgeit als zweithäufigstes Sekundärphosphat sowohl in gut ausgebildeten bis ca. 1 cm großen Kristallen wie auch als radial angeordneten, nach der c-Achse gestrecken Kriställchen sternartig verwachsen bis kugelig. Die Farbe schwankt von weiß über grau, grün bis - typischerweise - violett, aber auch rote Farbtöne kommen vor. Sicherstes Unterscheidungsmerkmal zum Phosphosiderit ist deswegen nicht die Farbe sondern die Kristallform.

Die chemische Formel von Strengit ist idealisiert   Fe3+[PO4].2H2O und real (nach WILK für Pleysteiner Strengit) (Fe,Ca,Ti)[PO4].2H2O. An Stelle des dreiwertigen Eisens kann also untergeordnet auch Calzium oder Titan in das Gitter eintreten.



Stufen mit Kristallen in dieser Qualität haben den Ruf vom Kreuzberg als Strengit-Fundstelle begründet. Das Foto links zeigt einen ca. 5 mm großen Kristall auf Rockbridgeit. Historisches Stück, das über die Bergakademie Freiberg wieder in die Oberpfalz gekommen ist.


flächenarmer, doppelendig ausgebildeter Strengitkristall. Die Farbe dieses ca. 2 mm großen Kristalls ist eher unspektakulär grau-grünlich. WILK bezeichnet diese Tracht als "Skorodit-Typus".


flächenreicher, isometrischer Strengitkristall mit Phosphosiderit-Plättchen (links, eher braun). Bildbreite 9 mm


Strengit-Kügelchen auf Quarz mit wenig Rockbridgeit. Bildbreite 6 mm

Violetter Strengitkristall, einzelne Flächen sind von einem lehmartigen Mineral überkrustet. Solche Krusten können in manchen Fällen mechanisch entfernt werden. Manchmal bestehen solche Krusten auch aus einer jüngeren Phosphat-Generation (auch Strengit ?), dann scheitern in der Regel die Reinigungs-Versuche. Bildbreite 8 mm


Violetter Strengitkristall, einzelne Flächen sind von einem lehmartigen Mineral überkrustet. Bildbreite 8 mm


Violette Strengitkristalle mit Phosphosiderit-Täfelchen (rotbraun) auf Quarz. Bildbreite 8 mm


flächenarme Strengite (Skorodit-Typus) radial verwachsen. Bildbreite 5 mm



flächenreicher, ca. 4 mm großer Strengitkristall von dunkelvioletter Farbe. Große Kristalle sind gerne überkrustet und häufig flächenreicher als sehr kleine.


kugelige violette Strengite auf Rockbrdgeit. Bildbreite knapp 5 cm.


Kugelige Strengite mit Strunzit xx (strohgelb, nadelig) in einer Druse um Rockbridgeit.  Bildbreite 5 mm


Strengit-Kristalle haben nadelige Beraunit-Kristalle überwachsen. Die Beraunite sprossen aus dem Rockbridgeit heraus. Bildbreite 4 mm

*) Der Pleysteiner Pfleger Johann Emanuel GRYLL berichtet 1723 dem Kurfürst von Erzfunden am Kreuzberg (früher als Schlossberg bezeichnet) und errichtet ein Bergwerk (die "St. Johannis-Nepomuk-Grube"). In den Anbrüchen findet GRYLL Drusen, die mit kleinen Amethysten gefüllt waren. Mit Sicherheit waren GRYLL's Amethyste jedoch Kristalle des zu jener Zeit noch nicht bekannten Minerals Strengit.

**) Etwa um 1917 erkannte Steinmetz dass es sich um die Phosphate Strengit und Phosphosiderit handelt (veröffentlicht erst 1920 ?), die Proben kamen von Wentzel und Lehner. Später wurden diese Verdienste mit der Benennung zweier, in Hagendorf-Süd gefundenen Mineralien gewürdigt: Wentzelit und Lehnerit. Diese Benennungen hatten allerdings keinen Bestand: Wentzelit wurde als mit Hueraulith identisch diskreditiert (kurios am Rande: Wenzelit wurde diskreditiert, nicht Wentzelit, STRUNZ 1954) und Lehnerit wurde als Ludlamit erkannt. Später wurde dann ein Eisen-Uranglimmer wiederum zu Ehren von Ferdinand Lehner zu "Lehnerit" benannt.

Literatur:
WILK, H. (1959) Phosphosiderit und Strengit von Pleystein in Ostbayern, Acta Albertina, Band 23, Regensburg
STRUNZ, H. (1954): Identität von Wenzelit und Baldaufit mit Huréaulith. Neues Jahrb. Mineral. Mh., 8/8: 166-177

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