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Geschichte des Marienschachts bei Wölsendorf

Die ersten Bergbauversuche im späteren Baufeld der Grube Marienschacht
gehen so etwa auf des Jahr 1780 zurück. FLURL
berichtet 1792 von einem kleinen Versuchsschacht auf Bleierz (vermutlich
am Wölsenberg).
Sicher vor 1863 beginnt der Fußspatabbau nahe dem späteren
Marienschachts am Kuppelberg östlich Wölsendorf, zunächst
übertage in kleinen Schürfen oder Steinbrüchen. Die erste
Nennung eines Flußspat-Abbaus am Kuppelberg dürfte jene in den
"Sitzungsberichten der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften
zu München" vom 14. März 1863 sein. GÜMBEL schreibt:
"Doch schon an den westlichen Gehängen gegen Wölsendorf geht
auf der sog. Kuppel ein Gang mit Flußspath, Schwerspath und Quarz
in bedeutender Mächtigkeit zu Tag. Auf den in St. 91/2 streichenden
Mineralmassen ist ein Steinbruch behufs Gewinnung von Flußspath angelegt."
Ein gewisser Bauunternehmer Weiss aus Weiden stellt 1883 einen Antrag auf Errichtung einer "Pulverkammer", am "Fundpunkt Bleierz" (Flurstück 1103, am Kuppelholz), wie lange vorher hier schon Bergbau betrieben wurde ist unklar, jedoch wird 1885 schon von einem Schacht gesprochen. Baraon Heinrich von Stengel (Regensburg) erwirbt 1893 ein Grundstück am Kuppelberg und täuft mehrere kleine Untersuchungsschächte ab. Georg Bauer (Schwarzenfeld) steigt um 1894 in den Flußspatbergbau am Kuppelberg ein und kauft zwei Grundstücke am Kuppelberg, auch jenes von Stengel. Der erste größere Schacht (Tiefbau) wird 1895 angelegt und ab 1896 mit dampfbetriebener Wasserhaltung bis auf 45 Meter abgetäuft. Einen enormen Aufschwung erlebte der Wölsendorfer Bergbau mit dem Bau der Eisenbahnstrecke (Nebestrecke Nabburg - Oberviechtach mit Bahnhof Wölsendorf) im Jahre 1904. Schon bald war die Bauer'sche Grube die leistungsfähigste in Revier. Priehäußer schreibt 1908: "Die höchste Ausbeute erzielt derzeit die einem gewissen Bauer aus Schwarzenfeld gehörende Grube östlich von Wölsendorf. Dort ist ein Schacht bis zu einer Tiefe von ca. 40 Meter abgetäuft. Der Aushieb erfolgt in drei Stollen, die in verschiedener Höhe nach beiden Gangrichtungen aufgefahren sind und eine Länge bis zu 100 m besitzen. Die Förderung an Flußspat beträgt neben nicht unbeträchtlichen Mengen von Schwerspat hier allein täglich 10 t und geschieht ebenso wie die Wasserlösung mittels Dampfkraft."
Nachdem 1912 Georg Bauer stirbt, übernimmt dessen Sohn Hans den Flußspatbergbau am Kuppelberg. Seltene Sammlungszettel aus dieser Zeit tragen die Fundortbezeichnung "Bauer'sche Grube".
Eigentlich beginnt die Geschichte des "Marienschachts" erst 1920, denn damals tauft der Besitzer Hans Bauer die Grube am Kuppelberg nach seiner Frau Maria, um das Bergwerk aber schon drei Jahre später an die Firma Rüttgerswerke AG (Berlin) zu verkaufen. Heinrich Kocher wird (1923) von den Rüttgerswerken als Betriebsleiter eingesetzt. 1925 wird der Marienschacht an Dr. Buchner (Hannover) verkauft. Nachdem 1927 die Gewerkschaft Wölsendorf gegründet und die Firma Riedel de Haen (Hannover) die Grube Marienschacht (I) erworben hatte wurde unter Leitung von Grubenvorstand Heinrich Kocher 1927/1928 der Marienschacht II auf zunächst 70 Meter abgetäuft und mit einer doppeltrümmigen Förderung betrieben (siehe Bild). Um 1935 hatte der Schacht 110 Meter mit der untersten Sohle erreicht.
Schon 1936 änderte sich das Bild am Marienschacht erheblich, denn
damals wurde von der Firma Krupp (Magdeburg) eine Flußspatflotation
(die erste in Deutschland) errichtet. Es folgen unruhige Zeiten (im 2.
Weltkrieg wichtiger Rohstoff-Betrieb) und am Ende des zweiten Weltkriegs
säuft die Grube ab. Die Förderung läuft 1947 wieder an und
kommt in den folgenden Jahrzehnten zur vollen Blüte.
| Jahr:
1929 1934 1937 1950 1953 |
Fördermenge:
14.800 Tonnen 10.200 Tonnen 17.600 Tonnen 18.650 Tonnen 33.800 Tonnen |
1952 waren 230 Bergleute, 1957 nur noch 119 bei der Gewerkschaft
beschäftigt.
(Quelle: HERRMANN, Festschrift OGV) |
Ab 1955 geht die Förderleistung zurück. Um das Jahr 1960 wird der oberflächennah anstehende Spat mittels eines Tagebaus gewonnen. Das wenig standfeste Nebengestein erschwert dieses Vorhaben erheblich und auch die gewünschte Tiefe kann nicht erreicht werden.
1965 verkauft die Firma Riedel de Haen den Marienschacht samt Aufbereitung
an die Firma Friedrich Krupp (Essen), diese legt 1968 die Flotation still
und verkauft den Marienschacht 1970 an die Flußspatwerke Schwarzenfeld
weiter. Nun (1971) wird das Verbundbergwerk Marienschacht-Johannesschacht
gegründet, jedoch zeichnet sich schon ab, dass die Vorräte langsam
aber sicher zu Ende gehen. Die Grube wird 1973 an die VAW Flußspat-Chemie
(Stulln) verkauft, die ja in Stulln über eine eigene Flotation verfügte.
In jene Zeit fällt auch die wohl beste bergbauliche Beschreibung des
Marienschachtes, eine Diplomarbeit von KUYUMCU, H.
Z., "Die Vorräte der Grube Wölsendorf der Flußspat-Werke
Schwarzenfeld GmbH und ihre bergwirtschaftliche Beurteilung".
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Die letzte Förderschicht wurde am 13. Juni 1979 gefahren. Es werden
zwei Gründe für die Stillegung genannt: Einmal die Erschöpfung
der Lagerstätte und zweitens die hohen Kosten, die durch das Abbauverfahren
(Firstenstoß) das den Abbau unrentabel machte, begründet waren.
Seither ist der Marienschacht jedenfalls Bergbaugeschichte.
Das Bild links zeigt Bergmann Max Meier bei der schweren Arbeit im Marienschacht. Bild bei M. Koller |
Einige Untertage-Bilder aus der früheren Zeit, dankenswerter Weise
von Herrn Ernst Thomann / Nabburg zur Verfügung gestellt, sind inzwischen
eine Bergbau-historisches Dokument:
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(diese Ausführungen inhaltlich frei nach WEISS, K. "Bergbau im Raum Nabburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart" in: "25 Jahre Bergknappenverein Stulln, Knappenverein Cäcilia, Schwarzenfeld, Bergknappenverein Marienschacht, Wölsendorf", Stulln 1977, S. 47-56 und anderen Literaturquellen)
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