Wenn der Ortsname "Hagendorf" fällt, fangen bei vielen
Mineraliensammlern,
besonders bei Systematik-Sammlern an, die Augen zu leuchten. Das hat
folgenden
Grund: Nahe der kleinen Ortschaft Hagendorf (Nähe
Grenzübergang
Waidhaus, Oberpfalz, Bayern) wurde über viele Jahre hinweg ein
Feldspatvorkommen
(mächtiger Pegmatitstock) abgebaut, in dem sich eine Vielzahl
seltener
Mineralien - einige bislang nur hier - fanden. Sogar ein Mineral
("Hagendorfit")
hat man nach diesem Ort benannt. Eigentlich waren es zwei Vorkommen (ab
1894 Hagendorf-Süd: Cornelia-Schacht, ab 1860
Hagendorf-Nord: Meixner-Grube), jedoch fanden (in der
Vorkriegszeit) die
seltenen
Phosphate des Nord-Vorkommens wenig Beachtung. Weitere
Phosphatpegmatite
in diesem Raum waren der Kreuzberg
in Pleystein (ein Rosenquarzfels, der heute unter Naturschutz
steht),
sowie das Aplit-Pegmatitvorkommen in Waidhaus (Silbergrube:
"Klein-Hagendorf"), das als
einziges
heute noch zugänglich ist - und auch seltene, aber sehr kleine und
wenig Mineralien liefert.
Pegmatite sind Gesteinsformationen, die aus den Restschmelzen der
Granite
entstanden sind. Granit ist ja ein, in Nordostbayern verbreitetes
Gestein,
und bei (oder kurz nach) der Entstehung dieses Gesteins strömten
die
"leichtflüchtigern" Bestandteile (eben die Restschmelzen) in,
durch
Gesteinsbewegungen entstandene Spalten (-> Pegmatitgänge) oder
Hohlräume
(-> Pegmatitstöcke). Diese Restschmelzen enthalten deswegen
auch Elemente
(Fluor, Phosphor, Eisen, Mangan, Zink u.a.m.), die sozusagen in den
Hauptmineralien
des Granits (Quarz, Feldspat und Glimmer) keinen Platz gefunden haben.
Die Pegmatite bauen sich aber in der Masse auch wieder aus den drei
Hautmineralien
des Granits auf, jedoch unter anderen Kristallisationsbedingungen. So
konnten
sich z.B. auch in Hagendorf bis metergroße (eingewachsene) Quarz-
und Feldspatkristalle bilden. Die Restschmelze entmischte sich in Fall
des Hagendorfer Pegmatits so stark, daß ein zonarer Aufbau mit
großen
Feldspatmassen (ideal für den Abbau) entstand. Die selteneren
Elemente
der Restschmelzen, wie eben vor allem Phosphor (aber auch Zn, Li, Fe,
Mn,
Cu, U ...) wurden durch diesen Vorgang angereichert und es konnten
viele
verschiedene (seltene) Mineralien auskristallisieren. Es waren aber
weniger
diese so entstandenen primären Phosphatmineralien, die Hagendorf
berühmt
gemachtg haben, vielmehr fand unter Einfluss von
Tiefenwässern und absinkenden Oberflächenwässern
eine stoffliche und räumliche Umsetzung statt, es bildeten sich
die
brühmten sekundären Phosphatmineralien.
Entdeckt wurde der Pegmatit von Hagendorf-Süd bei Wegebauarbeiten
1894 und zunächst von den Grundbesitzern Puff in Abbau genommen.
Um 1900 wurde die Grube auch mit ersten Untertageaufschlüssen von
M. Wildenauer weiterbetrieben (daher der Name Wildenauer-Grube im
Gegensatz zu Hagendorf-Nord: Meixner-Grube). Stillgelet wurde die Grube
mit der letzten Schicht zur Gewinnung von Feldspat am 27.07.1983. Bis
Jahresende 1983 wurde zwar noch Quarz gefördert, danach, genau am
18.11.1983 wurde die letzte Schicht gefahren.
Nach gängiger (alter) Lehrmeinung sind die Pegmatite den
Restschmelzen des Flossenbürger Granits zuzuordnen. Neuere
geologische und mineralogische Forschungen lassen allerding an dieser
Sicht Zweifel aufkommen. Einerseits endet der Flossenbürger Granit
nach Süden einige Kilometer nördlich von Miesbrunn (am
Großen Stein) - und damit von den großen Phosphatpegmatiten
und -Apliten zu weit entfernt. Andererseits zeigen neue Funde, z.B. der
Trutzhofmühlen-Aploid südöstlich Pleystein mit Apatit,
Rockbridgeit, Strunzit, Strengit, Beraunit und vielen weiteren
Phosphaten mineralogische Ähnlichkeit aber keine geologische
Verbindung zum Flossenbürger Granit auf.
Die derzeitige Situation erlaubt keine
Funde
mehr, Hagendorf -Süd ist Geschichte. So bleibt es, sich über
die alten Funde zu freuen - und - alte Fundstücke mit kritischen
Augen
nach "neuen" Mineralien durchzumustern. Ein Blick in meine neue Hagendorf-Vitrine
zeigt freilich nur wenige "Schaustufen", seltene Mineralien sind eben
oft
auch unscheinbar. Besonders hilfreich zur Bestimmung sind die
zahlreichen Veröffentlichungen
besonders von Prof.
Hugo
Strunz (Strunzit !), sowie Prof. Arno Mücke, Jürgen Kastning
("Die Mineralien von Hagendorf und ihre Bestimmung" Kastning J. &
Schlüter
J., 1994). Aus meiner Feder stammen die "Hagendorf-Tabellen" (B. Weber,
1980) und eine kleine Arbeit über "Phosphophyllit" von
Hagendorf-Süd.
Auch ein Blick in die (wenigen) öffentlichen Sammlungen in unserem
Raum, besonders in das private Mineralienmuseum
in Vohenstrauß
(ehemalige Sammlung Zahn), in das Mineralien-Museum
in Pleystein (Haus der Heimat, geht auf die Sammlung Lehner
[Lehnerit
!] zurück) und in die Sammlung des Oberpfälzer
Waldvereins (im Justizgebäude in Weiden ausgestellt) kann
weiterhelfen.
Bei den zwischen 150 und 200 verschiedenen Mineralarten (14 mal
Typlokalität
!), die in Hagendorf auftraten, sind viele nur mikroskopisch, z.T.
erzmikroskopisch
nachgewiesen, wie das bei seltenen Mineralien eben so ist. Dabei
zählt
Hagendorf-Süd zu den weltweit am besten untersuchten
Mineralvorkommen
überhaupt. Sichere Identifizierung ist oft nur mit
röntgenographischen
Methoden (und da nicht immer !) möglich und die wirklichen
"Schaustufen"
(also wo man keine Lupe braucht) sind rar (und sehr teuer, wenn
überhaut
gehandelt). Dennoch habe viele Stufen den Weg in die Museen der Welt
gefunden,
so ist etwa im Ecole des Mines in Paris (unter Katalognummer 3271) ein
ausgezeichneter Hagendorfer Strunzit zu sehen.
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