Geschichte des Bergbaus im Wölsendorfer Flußspat-Revier
 
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Geschichte der Grube Hermine
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Die Grube Hermine im Winter 1986/1987, (Bild bei M. Koller)

Im Baufeld der ehemaligen Grube Hermine scharen sich mehrere Gänge, die (auch) von der Grube Hermine aus bebaut oder wenigstens untersucht worden sind. Neben dem eigentlichen Hermine-Gang waren das Gustav I, Gustav II, Venezianer-Gang, Ost-Gang,  West-Ost-Gang, Gertraud I, Gertraud II und der Erika-Gang. Die Geschichte der Grube Hermine beschreibt hier die Bergwerks-Anlagen die auf dem Hermine-Gang (alte Plan-Nr. 585) am Nebelberg bei Lissenthan niedergebracht worden sind.

Erstes untertägies Bergwerk in diesem Bereich war um 1500 der Venezianer-Schacht. Es war ein aufwendiger Versuchsschacht auf Silber, über die Betreiber, Funde und sonstige Umstände ist nichts überliefert. Eine eingehende Beschreibung dieser Anlage findet sich auf den Seiten der VFMG-Weiden unter www.vfmg-weiden.de/venez.htm.

Übertägig wurde der Hermine-Gang in kleinen Schürf-Pingen, die sich gut sichtbar in Nord-Süd-Richtung erstrecken, wohl schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angegangen. Über diesen Bergbau durch den Grundbesitzer selbst ist nicht viel überliefert. Wie andererorts im Flußspatrevier auch verdiente sich der Eigentümer (Bauer Georg Graf, Lissenthan) mit dem auf seinem Grundstück gefundenen "Spat" ein Zubrot, das Fördergut wurde mit Pferde-Fuhrwerken abgefahren. Georg Graf lieferte seinen Flußspat (auch) nach Freiung (Reichhart). Der Hermine-Gang wurde dabei auf eine Länge von ca. 250 Meter bis etwa vier Meter Tiefe abgebaut. Erst nach Fertigstellung der Bahnstrecke Schwandorf-Weiden (1863) war die für einen rentablen Bergbau nötige Infrastruktur vorhanden. Die Förderleistung blieb freilich bescheiden: PRIEHÄUSER berichtet 1908 von der "Grafschen Grube" eine Förderung von ca. einer Tonne pro Tag im zwei Mann-Betrieb.
 

Josef Häusler (dritter von rechts) bei den ersten Arbeiten am "Häusler-Schacht" im späteren Baufeld der Grube Hermine. 

Bildquelle: Festschrift 25 Jahre Bergknappenverein Stulln, Marienschacht-Wölsendorf, Cäcilia-Schwarzenfeld, 1977, Seite 64

Auf den Hermine-Gang baut ab 1917 Josef Häusler mittels eines kleinen Schrägschachts (25° bis 28 Meter Teufe) Fußspat ab. Die Fundamente dieser Anlage kann man heute noch im Wald, ca. 300 Meter südlich des späteren Hauptschachts nahe dem "Venezianerschacht" finden. DRECHSLER berichtet von seiner Befahrung 1923 und nennt das Bergwerk "frühere Graf'sche Grube, jetzt Häusler & Co gehörig" (in seinem Werk "Zur Mineralführung und Chemie der Oberpfälzer Flußspatgänge, 1925). Josef Häusler, der in der Folgzeit mehrere Bergwerke im Revier anfing, verkaufte diesen Hermine-Vorläufer 1929 an die "Vereinigten Aluminium-Werke" in Berlin (VAW). Die VAW führt zwar einige Untersuchungsarbeiten durch, lässt aber 1930 die Grube auf. Grund dafür war die allgemeine schlechte Wirtschaftslage, Flußspat ließ sich zu dieser Zeit schlecht absetzen. In seiner Abhandlung von 1936 "Geologie der Flußspat- Lagerstätten der Bayerischen Ostmark" spricht Paul DORN von der "heute verfallenen Grube Häusler und Beigler bei der Freyung".  In der beigegebenen Lagerstättenkarte des Reviers sind auf dem Hermine-Gang dementsprechend zwei stillgelegte Gruben eingezeichnet. Die nördliche davon war vermutlich ein 12 Meter tiefer Versuchsschacht der VAW (genau an Stelle oder nahe der späteren Grube Hermine). Die südliche bezeichnet sicher den oben genannten Häusler-Schräg-Schacht.

Die Marktlage für Flußspat sollte sich mit der Aufrüstung im Dritten Reich wenden. Plötzlich war Flußspat strategisch wichtiger Rohstoff und 1940 werden die "Vereinigten Flußspatgruben Lissenthan" (später Nabburg) gegründet, um die vielen Kleinbetriebe im gesamten Revier unter ein Dach zu bekommen. 1942 erwerben die "Vereinigten Flußspatgruben" von Georg Graf das Grundstück 585 und errichten dort 1943 mit einem Holzförderturm die Grube "Hermine". Es wird ein (doppeltrümmriger) Schacht auf 120 Meter abgeteuft, Sohlen werden bei 60, 90 und 120 Meter eingerichtet. Es folgte reger Abbau und Aufbereitung in der eingens errichteten Anlage. Kurz vor Kriegsende (durch Stromausfall nach Bombenangriffen  bedingt) säuft die Grube ab. Schon 1946 wird die Hermine wieder leergepumpt und der Abbau geht 1948 wieder los. Er erreicht in den folgenden Jahren seinen Höhepunkt, der Weltmarktlage ist (wohl auch wegen des Korea-Krieges) für Flußspat gut, Deutschland ist nach den USA größter Flußspat-Förderer.

1952 arbeiten rund 70 Leute auf der Grube Hermine, der Bergbau ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region. Zufällig wird, wie in einem Zeitungsbericht vom 12. Oktober 1952 überliefert (siehe www.vfmg-weiden.de/venez1.htm), auf der 60-Meter-Sohle der Venezianer-Schacht angeschossen und so wiederentdeckt.

1955 wird der Hermine-Schacht vertieft und eine 150-Meter Sohle eingerichtet. Gleichzeitig wird querschlägig der Gustav I und Gustav II Gang auf der 90-Meter-Sohle angefahren (später auch Gustav I auf 150 Meter). Die Jahresförderleistung beträgt ca. 150.000 Tonnen. Ab dem Jahr 1963 erfolgt der Abbau auf der Hermine nach der kostengünsitgen Methode "Festenbau", vorher "Schrägstoß" oder "Firstenstoß". Alleine das standfeste Gebirge ermöglichte so eine - z.B. im Vergleich zum Marienschacht - kostengünstigere Gewinnung.


Schematischer Schnitt durch das Bergwerk, Stand ca. 1960
(Quelle: Karl Weiss, in Festschrift FFW Brudersdorf, 125jähriges Gründungsfest, Seite 70)

Nochmals, und nun auf 210 Meter Teufe, wird 1966 der Hauptschacht verlängert, die nördlichen Gänge Gertraud I, Gertraud II und der Venezianer werden auf der 90 Meter Sohle in das Bergwerk mit einbezogen. Die Jahresförderung beträgt nun ca. 120.000 Tonnen.  Die Grube Hermine ist mit 210 Meter Teufe (nach Cäcilia 320m, Gisela 270m, Marienschacht 230m) eine der tiefsten Gruben im Revier.

Im Sommer 1976 brennt, aufgrund eines Blitzschlages der Holz-Förderturm der Grube Hermine nieder. Schnell holt man von der bereits 1961 aufgelassenen Grube Roland das Stahlfördergerüst, baut es auf und schon im September 1976 geht der Abbau weiter.
 


Im Sommer 1976 brennt, aufgrund eines Blitzschlages der Holz-Förderturm der Grube Hermine nieder. Schnell holt man von der bereits 1961 aufgelassenen Grube Roland das Stahlfördergerüst, baut es auf und schon im September 1976 geht der Abbau weiter.

Das Bild links zeigt den Holz-Förderturm im Jahre 1967

Bild bei Frau M. Fethke
Erschöpfung der erschlossenen Vorräte machen 1978 eine weitere Schacht-Vertiefung auf 270 Meter notwendig, es war die letzte, nicht nur hier, sondern im gesamten Revier. Auf unterem Niveau nimmt die Qualität und Mächtigkeit der Gänge deutlich ab und es wird auch nur noch der eigentliche Hermine-Gang und Gertraud I unterfahren. Damit war zwar die Grube Hermine das tiefste betriebene Bergwerk in Bayern, dennoch sinkt die Förderleistung auf unter 100.000 Tonnen pro Jahr. Ab 1981 war dann die Hermine (mengenmäßig unbedeutend auch noch Helene) die einzige produzierende Flußspatgrube im Wölsendorfer Revier.

Noch 2003 liegen die Förderseile der Hermine auf Rolle.

Zeitweise wurden in der Grube Hermine - in nicht für den Abbau benötigten Sollen - Pilze gezüchtet. Allerdings wurden, trotz an sich günstiger Bedingungen, diese Versuche Austernpilze zu züchten wegen der im Betrieb nicht gerwährleisteten Sterilität bald wieder eingestellt.

Bild bei M. Koller

Am 27. Mai 1987 wurde die Grube, die 1986 nur noch 24.000 Tonnen Förderleistung hatte, wegen Erschöpfung der Lagerstätte stillgelegt. Zuletzt waren 28 Personen auf der Grube Hermine tätig. Mit der Stillegung (gleichzeitg auch Helene) erlosch der Bergbau im Wölsendorfer Revier gänzlich, die letzte Betreiberfirma "Vereinigte Flußspatwerke Stulln GmbH" wurde 1993/94 liquidiert.

Im Sommer 2005 wurde der Hermine Förderturm abgebaut und zum Reichart-Schacht transportiert. Zu den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Besucherbergwerks Reichhart-Schacht wurde der Hermine-Förderturm am 6. September 2005 dort aufgestellt und so vor der Verschrottung gerettet.
 


Das Bild vom "letzten Wagen" der Grube Hermine und die Stillegung der Grube fand regional und auch überörtlich viel Beachtung.

Bild bei Frau M. Fethke
Noch 1995 würdigte die Technische Universität München in Zusammenarbeit mit dem Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern, Schloß Theuern mit einem Bergwerksportrait (Heft-Titelblatt Bild links) und einer Sonderausstellung bei den Münchner Mineralientagen den Wölsendorfer Flußspatbergbau. 

Quellen: wie angegeben, und Wölsendorf-Literatur