Berthold's DMF-Seite
 


Digitale Mehrebenenfotografie (DMF)

Nachfolgend möchte ich meinen workflow für die Digitale Mehrebenenfotografie vorstellen. Klar, jeder der sich mit diesem Thema beschäftigt wird mit anderen Geräten arbeiten, anderer Software einsetzen oder irgendwo etwas anders machen. Ziel dieser Seite ist es, einen möglichen Weg zu beschreiben. Alternativen -manchmal auch Fehlermöglichkeiten- möchte ich aufzeigen und erklären warum ich so vorgehe.

Grundsätzlich übernehme ich jedoch keine Garantie dass jedermann mit dieser Technik auch erfolgreich ist.
 


Das Foto links ist aus 21 Ebenen entstanden, der markierte Ausschnitt wird -nach anklicken- im 1:1 Format angezeigt. Das gesamte fertige Tiff-Bild ist mit ca. 20 MByte zu groß um hier gezeigt werden zu können, ersatzweise <hier> ein entsprechendes auf ca. 2 MByte gepacktes jpg in Original-Pixelgröße.


Was ist Digitale Mehrebenfotografie?
 
Kurz gesagt: Eine Technik um Fotos mit mehr Schärfentiefe zu machen als das mit einer Einzelaufnahme technisch möglich ist. Dazu werden die scharfen Bereiche eine Reihe von Fotos mit (leicht abweichender Fokusierung aufgenommen) in ein Bild zusammengerechnet. Diese Reihe von Fotos (der "stack") wird möglichst ohne sonstige Veränderungen (gleichbleibendes Licht, gleicher Ausschnitt usw.) aufgenommen und mit der "stacking software" in ein Bild verrechnet. Für das Verfahren sind verschiedene Bezeichnungen im Umlauf: "Focus Stacking", "Extended Depth of Focus", "EDF", "Extended DOF", "deep focus fusion" (DFF), "Mehrebenentechnik", "Digitale Focuserweiterung". Die von mir 2005 vorgeschlagene Kurzbezeichnung "DMF" für "Digitale MehrebenenFotografie" hat sich im deutschen Sprachgebrauch weitgehend durchgesetzt. Die Grenzen zu anderen fotografischen Verfahren, z.B. Methoden, die aus mehreren Fotos bei gleichem Fokus schärfere, rauschfreiere Bilder oder Bilder mit höherem Tonwertumfang (HDR) rechnen werden in Zukunft verschwimmen. Auch ist es nicht abwegig zu vermuten dass diese Technik irgendwann vollautomatisch mit einem "Klick" in einer Kamera ablaufen könnte.

Warum nicht mit kleinerer Blende mehr Schärfentiefe machen?
 
Jeder Fotograf kennt das: Große Blende (z.B. Blendenzahl 2.8) bedeutet wenig Schärfentiefe, kleine Blende (z.B. Blendenzahl 22) viel Schärfentiefe. Einige Makroobjektive bieten noch deutlich kleinere Blenden an (z.B. bei meinem Nikon 105mm Macro kann bis bis Blende 54 abblenden). Warum also mit aufwendiger Mehrebenentechnik arbeiten und nicht mit sehr kleinen Blenden.? Ganz einfach: Bei kleinen Blenden (große Blendenzahl) sinkt die Schärfe des gesamten Bildes aufgrund von Beugungserscheinungen an der Blende. Dieser Effekt ist gerade in der Makrofotografie so stark dass sich oft Blenden kleiner 11 verbieten. Für den Maximalwert spricht man von förderlicher Blende. Das ist die kleinste Blende, die eingestellt werden kann, ohne dass die Beugung für deutliche Unschärfe sorgt. Diese Wert häntgt von wenigen Parametern ab und kann einfach (online z.B. <hier>) berechnet werden.  Bei typischen Mikroskop-Vergrößerungen wird man schnell feststellen dass jedes Abblenden zu einer Verschlechterung der Schärfe führt, folglich baut man in Mikroskope (normalerweise) auch keine Blenden ein.
 
Vorbemerkungen, welche Kamera, welches Mikroskop

Hier werden die Fundamente für ein gutes Resultat gelegt. Zunächst ist die Frage, welche Kamera sollte man verwenden? Grundsätzlich ist jede Kamera geeignet die sich manuell fokusieren lässt. Wenn man -wie ich- durch ein Mikroskop fotografieren möchte ist logischerweise eine Adaptionsfähigkeit (sprich, die Kamera muss ohne wesentliche Einschränkungen fest anbaubar sein) gefragt. Im Zweifelsfall kann der Mikroskop-Hersteller (bei mir Zeiss: Kamera-Assistent) nachgefragt werden ob - und ggf. wie - einen Adaption möglich ist. Üblicherweise wird der Fototubus anstelle des Okulars oder (bei trinokularen Mikroskopen) auf den Fotoausgang aufgesetzt. Bei diesem Aufbau wird das Zwischenbild ohne Mikroskop-Okular und ohne Kamera-Objektiv auf dem Sensor abgebildet. Alternativ könnte auch durch das Okular und durch das Objektiv der Kamera fotografiert werden, das hat oft erhebliche qualitative Nachteile, ist aber bei Kampaktkameras ohne abnehmbares Objektiv die einzige Möglichkeit. Auch kann es hier sehr leich vorkommen, dass das Bild stark  (bis hin zum runden Bildfleck) vignettieret wird. Jedoch haben Kompaktkameras ggf. auch Vorteile: Im Gegensatz zu Spiegelreflexkameras gibt es keinen Spiegelschlag (Erschütterung, wenn der Spiegel hochgeht) und Kompaktkameras sind weniger anfällig für Sensor-Verschmutzungen. Dennoch habe ich mich für eine Spiegelrefelxkamera, die Canon EOS 5D Mark II entschieden. Spiegelschlag ist mit Spiegelvorauslösung und Sensor-Verschmutzung ist weitgehend mit der automatischen Sensorreinigung in den Griff zu bekommen. Ich habe verschiedene Kameras getestet (meine Nikon D200, meine alte Fujifilm S1 und meine Kodak DCS 14n natürlich auch) und konnte mit allen Kameras vernünftige (DMF-) Bilder machen. Nur habe ich mir die Latte etwas höher gelegt und da blieb dann nur die Canon übrig. Unabhängig, aber übereinstimmend mit meinen Erfahrungen gibt es eine Kamera-Ranking-Liste für Mikroskop-Fotografie (hier), und momentan (Sommer 2009) ist dort die Canon EOS 5D Mark II an erster Stelle, immerhin von 275 bewerteten Kameras, was mich nicht wundert.

Ganz entscheidend für die Bildqualität ist die Qualität der Optik des Mikroskops. Man muss sich nur bewusst sein, dass es hier wie bei einer Kette ist: Das schwächste Glied bestimmt die Leistungsfähigkeit. Dem russischen Mikroskop MBS-10 wird eine qualitativ gute Optik zu einem supergünstigen Preis nachgesagt. Zu diesem Mikroskop gibt es auch einen (einbaubaren) trinokularen Fotoausgang. Meine Experimente haben nur bei geringer Vergrößerung überhaupt erträgliche Fotos gezeigt, wobei die Bildqualität nicht mal die Auflösung eines 1 Megapixel-Sensors ausreizen konnte. Hauptproblem sind jedoch die chromatische Aberration und die unzureichende Vergütung. Der erste Punkt führt zur pink-roten und grünen Farbsäumen um Spitzlichter (glänzende Punkte oder Flächen), der zweite Punkt lässt die Bilder flau (also kontrastarm) erscheinen. In der Summe keinesfalls meinen Ansprüchen genügend. Aufgrund der optischen Daten ist meine Wahl auf das Zeiss Stemi 2000c gefallen. Dieses Mikroskop hat einen Fotoausgang und über einen großen Zoom-Bereich eine gute bis sehr gute optische Qualität. Da der Durchmesser des Zwischenbildes bei diesem Mikroskop mit ca. 23 mm für den Kamera-Sensor meiner Canon (24x36mm) zu klein ist erhält man nur ein unbeschnittenes Bild, wenn man einen Adapter mit Optik (2,5-fache Vergrößerung des Zwischenbildes) verwendet. Das ist zwar keine ganz billige Sache (>700€) aber leider unumgänglich. Vorteil aber: Mittels kostengünstiger T2-Adapter kann ich wahlweise meine Nikon, Kodak oder Canon auf den (vergrößernden, teueren) Zeiss-Adapter anbauen.

1. Schritt - Fotos machen

Lichtführung, Belichtung und Ausschnitt werden zunächst mit einer (oder mehreren) Probeaufnahmen festgelegt und dürfen während der Aufnahmen dann nicht mehr verändert werden. Ich arbeite mit ISO 200 (höhere Werte führen zu mehr Bildrauschen, auch wenn die Canon hier sehr gutmütig ist), manueller Belichtungs-(Zeit)-Einstellung und Weißabgkeich bei 3200°K. Ganz wichtig ist die Einstellung der Spiegelvorauslösung und dass die Auslösung berührungslos (ich verwende Kabelfernauslöser) gemacht wird. Fotografiert wird von mir dann eine Reihe von Aufnahmen, von oben nach unten, wobei ich durch das Okular der Kamera jeweils geringfügig weiter nach unten scharfstelle. Sicher könnte man auch das Objekt vertikal bewegen um die einzelnen Ebenen zu machen. Jedoch würde das bei Schatten und Glanzflächen leicht zu störenden Abweichungen führen, um das zu vermeiden müsste man also auch die Beleuchtung parallel mitbewegen. Die Bilder speichere ich im RAW-Datenformat (*.cr2) bei höchster Auflösung die die Kamera anbietet (5634x3753 Pixel). Jedes Bild benötigt ca. 30 MByte Speicherplatz. Platzsparende jpg-Fotos verbieten sich da für die Weiterverarbeitung die unvermeidlichen Artefakte von großem Nachteil sind. Die Anzahl der Fotos (Ebenen) richtet sich nach der Vergrößerung und dem Objekt. Ich halte es keineswegs für sinnvoll alles -von vorne bis hinten- scharf zu haben. Solche Aufnahmen machen nicht nur sehr viel mehr Arbeit, auch wirken sie unnatürlich. Wichtig ist jedoch, dass alle aussagekräftigen wesentlichen Teile vom Schärfestapel erfasst werden. Für das Foto des Steichholzes (oben links) waren 21 Ebenen nötig. Zusätzliche mechanische Abstützung der Kamera gegen Schwingungen und Erschütterungen hat sich sehr bewährt. Man kann dazu ein schweres Stativ verwenden dessen nach unten gesteckte Mittelsäule (wegen der Höhenverstellung) lose mitläuft.

2. Schritt - Stapelvorbereitung
 
Da die verwendete stacking-Software (combineZP) das cr2-RAW-Datenformat nicht beherrscht, oft auch Zuschnitte, Bildrotation oder Weiß-Feinabgleich notwendig sind, ist ein Zwischenschritt notwendig. Mit dem Programm Digital Photo Professional (von Canon) führe ich diese Umrechnung in das TIFF-Datenformat (16 bit) aus. Zwar werden die Einzelbilder hier jeweils ca. 120 MByte groß (bei den 21 Aufnahmen haben wir also schon ca. 2.5 GByte doch verbietet sich auch hier wieder das jpg-Datenformat und angesichts der heutigen Speicherkapazitäten der Festplatten ist diese Datenmenge nicht wirklich ein Problem. Das Programm Digital Photo Professional arbeitet dabei recht flott, hat eine gute Stapelverarbeitung und kann Filtereinstellungen (z.B. Farbkorrektur, Nachschärfung Rauschunterdrückung usw.) speichern. Andere RAW-Converter (z.B. dcraw, AbleRAW, u.a.m.) die ich ausprobiert habe brachten entweder keine signifikat besseren Resultate, konnten das cr2-Format nicht oder waren zu langsam bzw. zu umständlich. Wichtig erscheint mir der Hinweis, dass an dieser Stelle mit der Canon-Software ggf. noch vorhandene Sensor-Verschmutzungspunkte herausgerechnet werden sollten. Solche Verschmutzungspunkte bilden sich ja auf jeder Einzelebene scharf ab, was im Gesamtbild zu einer Reihe nebeneinanderliegender Punkte führt und was im gestackten Bild dann nur noch mit aufwändiger Hand-Retusche zu beheben ist. Wesentlich (!) schnellere Stacking-Rechnung kann erreicht werden wenn alle Bilder hier zugeschnitten oder/und verkleinert werden. Für die größere Bildkante beschränke ich mich deswegen  häufig auf 4000 Pixel.

3. Schritt - Rechnen
 


Das Vorschaufenster von combineZP

Das ist eigentlich der einfachste, aber zeitraubenste Schritt. Ich verwende das akutelle Programm combineZP von Alan Hadley, ein freeware-Programm, das <hier> beschrieben ist und kostenlos heruntergeladen werden kann. In fast allen Fällen genügt es die beiden Makros
  • Align and Balance Frameset
  • Pyramid Do Stack

in dieser Reihenfolge auszufürhen und das fertige Bild (Spiegelrand gleich wegschneiden) als TIFF abzuspeichern. Für das Steichholz-Beispiel hat mein Rechner (Dell Quad-core, Q6600 2,6 GHz, 4 GByte Ram) kanpp eine halbe Stunde gerechnet.
 
Andere Stackingsoftware?
 
Vielfach werden noch ältere Versionen von combineZ nämlich CombineZM, CombineZ5 und CombineZ3 verwendet, meiner Erfahrung nach macht CombineZP signifikat bessere Bilder. Uneingeschränkt möchte ich -auch angesichts der von mir getesteten Alternativen - CombineZP empfehlen.

 
Natürlich habe ich auch mit anderer Software experimentiert:
 
An erster Stelle möchte ich da die Software Helicon-Focus (Hersteller-Homepage: hier) erwähnen, wo ich mir eine Lizenz gekauft habe. Vorteile von Helicon sind die Geschgwindigkeit, 16-bit-Verarbeitung und dass (viele, nicht alle) RAW-Datenformate gelesen werden können. Die Qualität der erzeugten Bilder ist sehr ähnlich von combineZP, in manchen Fällen ist das eine oder andere Programm besser. Nachteile sind -neben dem Preis (z.Z. Helicon-Focus Pro $200)- die geringeren Steuerungsmöglichkeiten. Der Hersteller bietet einen kostenlosen Download für eine 30-Tage Testversion an. 

Wirklich gute Resultate liefert auch das freie Programm Picolay (Homepage <hier>). Das Programm ist schlank, sehr schnell hat aber drei für mich entscheidende Nachteile:  Es kommt mit (meinen ?) Tiff-Daten nicht klar, es scheitert an großen Bildern (z.B. an meinen 21 Megapixeln) und es kann die Bilder nicht zueinander skalieren. Da durch die Fokusänderung auch eine Größenänderung entsteht (geht man näher ran wird das Bild größer) ist der letzte Punkt das Killer-Argument. Man könnte zwar die Skalierung (und Justage) vorab mit einem anderen Programm (z.B. CombineZP macht das sehr gut) machen und den Stapel dann zwischenspeichern, aber das ist mir zu umständlich.

Ein interessantes Werkzeug ist das freie  Kommandozeilen-Tool ALE (Homepage <hier>). Unter Linux getestet zeigen sich Stärken beim Verbessern der Schärfe und beim Entrauschen. Die typischen Schärfentiefe-stacking-Leistungen überzeugen hingegen weniger. Die Bedienbarkeit ist, da Kommanozeilen-Tool, eher schwierig und große Bildern (etwa meiner Canon) führten zum Absturz. Mit kleinen Bildern jedoch brauchbare Ergebnisse nach leider langen Rechnezeiten. Die Weiterentwicklung (getestet wurde Version 0.9.0.3) lässt jedoch hoffen.

Dann gibt es noch:
  • Astrostack (eher für astronomische Fotos geeignet, in Vollversion 3: max. 2000x3000 Pixel) <hier>
  • EDF-plugin für ImageJ (Java, sehr langsam) <hier>
  • Stack Focuser-plugin für ImageJ (Java, sehr einfaches Verfahren mit entsprechenden Resultaten) <hier>
  • PhotoAcuteStudio ("eierlegendes Wollmilchschwein" - kann alles, einiges sogar recht gut) <hier>
  • MicroPicS (ein Bildbrowser mit eher bescheidenen Stacking-Fähigkeiten) <hier>
  • AutoMontage <hier>
  • RegiStax5 (für astronomische Anwendungen ausgezeichnet, für Makro weniger geeignet) <hier>
  • ImageInFocus (Vollversion z.Z. $300, Testversion frei) <hier>
  • FocusPano Littlefield (sehr langsam bei großen Bildern) <hier>
  • Zerene-Stacker (neues Programm, gute Resultate, nicht ganz billig, leider etwas langsam) <hier>


4. Schritt - Nachbearbeitung

 Dieser Schritt beschränkt sich bei mir auf die Archivierung und auf für das jeweilige Medium geeignete Verkleinerung.

Technische Grenzen

Jedes Verfahren hat seine Grenzen. Ich will hier einige Überlegungen zu den technischen Grenzen der Auflich-Mikrofotografie darlegen. Da ist zunächst die Frage der maximal erzielbaren Vergrößerung. Diese Frage -so einfach sie scheint- ist nicht so leicht zu beantworten und zwar deswegen weil wir uns Gefanken machen müssen was wir eigentlich als Vergrößerung bezeichnen. Richtig, Vergrößerung ist eigentlich das Größen-Verhältniss von Objekt zu Wiedergabe. Bei einer Fotokopie oder bei einem Ausdruck auf Papier ist das einfach, nicht jedoch bei einem Digitalbild das ja auf verschieden großen Monitoren oder Beamern in beliebiger Größe angezeigt werden kann. Schon zu Zeiten der analogen Filmfotografie (man kann ja Dias auch beliebig projezieren) hat man desegen das Größen-Verhältniss von Film zu Objekt angegeben. Ein Makroobjektiv das ein 1 cm großes Objekt in 2 cm Größe auf den Film projeziert hat folglich eine 2-fache Vergrößerung (2:1). Stillschweigend ist man z.B. bei Diavorträgen usw. davon ausgegangen dass sich Angaben zur Vergrößerung auf das Kleinbildformat (Original : 24x36mm) beziehen. Schwieriger war die Angabe bei Print-Produkten, besondrs wenn Ausschnitte aus Bilder gezeigt wurden. Für den Betrachter hilfreich waren/sind hier eher eingezeichnete Maßstäbe oder die Angabe der Original-Bildbreite. Die moderne Digitalfotografie verwendet sehr unterschiedlich große Sensoren, zudem mit unterschiedlicher Pixel-Anzahl. Ohne Angabe der Sensorgröße (und bei Ausschnitten: Pixelzahl des Sensors) ist die Nennung eines Vergrößerungsfaktors bei digitalen Bildern daher witzlos. Um den Betrachter unnötige Rechnungen zu ersparen sollte heute immer die Größe des Originals, sinnvollerweise die Bildbreite/Bildhöhe angegeben werden.

Die ursprüngliche Frage der maximalen Vergrößerung ist damit natürlich nicht beantwortet, man müsste also andersherum fragen: "Wie kleine Objekte lassen sich mit der Auflicht-Mikrofotografie abbilden?" Für meine technische Ausrüstung (Zeiss-Stemi 2000C und Canon-Vollformatsensor-Kamera auf 2,5-fach Adapter) ist die Rechnung einfach, es kommt nur auf Mikroskop-(Objektiv)-Vergrößerung, Adaptervergrößerung, Sensorformat und Sensorpixel-Zahl an (und ggf. auf nachfolgende Skalierung natürlich):

Sensor-Bildbreite (36 mm) geteilt durch maximale Vergrößerung (5 *2.5) ist 2.88 mm Breite (mal 1.92 mm Höhe). Meine Kamera macht 5616x3744 Pixel Für Messzwecke ist es hilfreich zu wissen, dass (bei mir) 2000 Pixel in guer Näherung einem Millimeter entsprechen.


Der links abgebildete Ausschnitt von einem Streihholz-Kopf ist im Original ca. 2.88 x 1.92 mm groß. Das Foto in Original-Auflösung (5360 x 3634 Pixel) ist als Link hinterlegt (Bild bitte anklicken) und wurde als jpg auf ca. 1 Mbyte gepackt.

Hier ein Ausschnitt aus dem Bild oben, 800x600 Pixel vom Originalbild, also ca. 0,4 x 0,3 mm vom Original. Besonders in der vergrößerten Betrachtung (Bild bitte anklicken) wo dann ein Bild-Pixel als ein Pixel auf dem Monitor dargestellt wird zeigt sich schon deutliche Unschärfe.

Faktisch beschränkt die Akzeptanz der Unschärfe die "machbare" Vergrößerung. Folglich gilt es die Technik in Richtung maximale Schärfe zu trimmen. Als erste Überlegung muss man sich vor Augen halten, dass bei einer Bildbreite von 2,9 mm und 5600 Pixel ein Pixel etwa nur 1/2000mm groß ist. Das ist etwa auch die Wellenlänge des blau-violetten Lichts! Wesentlich stärkere Vergrößerungen -oder eben die Darstellung von Objekten die kleiner sind als die Lichtwellenlänge- sind mit der optischen Auflicht-Mikrofotografie physikalisch nicht zu machen. Eine etwas genauere Abschätzung der Grenzen erlaubt die Berücksichtigung des Abbe-Limits nach der Formel:

    d = 0,61 * λ / n.A.

    d =kleinster darstellbare Linien-Abstand
    λ =400 nm (blaues Licht)
    n.A. = 0.106 (Stemi 2000c bei max. Zoom)

also d gleich rund 2300 nm (2.3µm). Das bedeutet, auf 2,88 mm Original-Bildbreite haben wir etwa 1250 echte, unterscheidbare Pixel, für rotes Licht entsprechend weniger. "Unterscheidbar" bedeutet dass ein gewisser akzeptabler Kontrast vorliegen muss. Der Zusammenhang von Auflösung und Kontrast wird bei optischen Systemen mit den sog. MTF-Kurven angegeben. Das ist eine Funktion (mit der Tendenz geringerer Kontrast bei höherer Auflösung), also kein absoluter Grenzwert und damit bleibt auch die obige Aussage etwas schwammig. Jedenfalls bleibt festzustellen dass das tatsächliche Auflösungsvermögen des Kamera-Sensors (LPH der Canon) deutlich über der Auflösung des (auf den Sensor projezierten) Bildes liegt. Man könnte sich folglich fragen ob der Einsatz eines derart hochauflösenden Sensors überhaupt Sinn macht. Die Antwort ist: Ja. Theoretische Überlegungen und experimentelle Messungen haben nämlich gezeigt dass sich eine bessere Sensorauflösung auch dann noch positiv bemerkbar macht wenn die Optik schon an der Grenze ist.

Wo muss man ansetzen um möglichst nahe an die theoretischen bzw. bauart-bedingten technischen Grenzen zu kommen?

Im Gegensatz zu den theoretischen Überlegungen ist die Frage einfach zu beantworten: Erschütterungen und Schwingungen minimieren. Jeder der das Gewackel im Live-Modus gesehen hat kann sich vorstellen wie wichtig ein extrem stabiler Aufbau ist. Obwohl das Zeiss Stemi mit Sicherheit eine solide Stabilität aufweist führt selbst die leichteste Berührung von Kamera oder Mikroskop zu Bildversatz um viele Pixel. Wenn das während der Auslösung passiert ist das entsprechende Unschärfe. Da bringt ein (schweres) Stativ zur Dämpfung der Kameraschwingungen schon Besserung, ist aber noch nicht ideal. Grundsätzlich notwendig, ja unumgänglich ist Spiegelvorauslösung (wenn der Spiegel hoschschlägt gibt es eine starke Erschütterung) und Fernauslösung (selbst das vorsichtigste Niederdrücken des Auslösers führt zu Verwacklung). Aber auch der Verschluss führt zu einer Erschütterung die nicht zu vernachlässigen ist. Nach meinen positiven Experimenten mit einem schweren Stativ brachte eine Rahmenkonstruktion zur Schwingungsdämpfung der Mikroskopsäule weitere Besserung.

Unabhängig von der Qualität der Einzelbilder muss der Bilderstapel für die Mehrebenen-Technik mit möglichst gleichen Fokus-Abständen und -ganz wichtig- ohne Lücken aufgenommen werden um in der Gesamtrechnung ein optimales Bild zu bekommen. Die Höhenverstellung von Hand erweist sich in diesem Zusammenhang als zu unpräzise. Ich habe mir deswegen eine Fein-Höhenverstellung des Mikroskopkörpers mit Mikrometerschraube angebaut.


Geht noch mehr?

Ja. Neuerdings sind Verfahren bekannt geworden die, ähnlich wie die Fokuserweiterung, mit einem Bilderstapel arbeiten jedoch mit identisch fokusierten Bildern schärfere, rauschfreiere und kontrastreichere Bilder liefern. Das Verfahren nennt sich "Superresolution" (SR). Bisher findet es z.B. in der Forensik Verwendung um etwa aus einem Überwachungsvideo ein schärferes/besseres Einzelbild zu gewinnen.  Nun ist die Idee wie folgt: Es wird für jede Ebene des (DMF-) Fokus-Stapels eine Reihe gleich fokusierter Bilder, der SR-Stapel, gemacht,  aus diesen Stapeln zunächst über die SR-Technik einzelne Bilder gerechnet und aus denen dann über die DMF-letztlich das Endbild. Diese Methode ist mit sehr viel mehr Arbeit verbunden liefert aber sichtbar bessere Bilder. Die Qualität steigt bei geringer Ebenenzahl zunächst schnell, bei großer Ebenenzahl nähert sich die Qualität einem Maximum.


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