Berthold's Fischkunde


Der Karpfen. Regional unterscheidet man verschiedene Sorten, den Aischgründer, den Schwarzenfelder, den Tirschenreuther usw. Die Unterschiede sind jedoch gering und heute sind die meißten "Stämme" in ihrer reinen Form auch nicht mehr zu finden.  Graskarpfen, Silberkarpfen, Marmorkarpfen sind mit dem Karpfen nicht so nahe verwandt, wie es der Name sagt. Es handelt sich dabei um ostasiatische Pflanzenfresser, die sich normalerweise bei uns nicht natürlich fortpflanzen. Das Aussehen des Karpfen wird durch lebensraumbedingte Einflüße geprägt. So ist seine Farbe schon abhängig vom Teich (-Boden/Wasser). Einzelne, besonders hochrückige Exemplare haben oft einen Defekt an den Wirbeln, sind also nicht etwa "Aischgründer", denen eine besondere hockrückigkeit ("Tellerkarpfen") nachgesagt wird. Überstandene und ausgeheilte Krankheiten (z.B. Geschwüre) prägen ebenfalls das Aussehen einzelner Karpfen. Der Karpfen ist neben der Forelle nach wie vor der "Brotfisch" in den Teichwirtschaften Nordbayerns. Auch in meinem Weiher schwimmen Karpfen, jedoch sind nur wenige Exemplare so schlank wie auf dem Bild oben. Die Fütterung beeinflußt nämlich auch stark des Erscheinungsbild. Meine größten Exemplare wiegen z.Z. um die 10 Pfund, nachdem ich im Frühjahr das Laichspiel beobachten konnte, denke ich, daß auch Ko bzw Kv vorhanden sind.  Meine Karpfen füttere ich "biologisch", vorzugsweise mit Gerste.  Ich bezeichne meine Fische gerne als "BIOFISCHE" obwohl dies nach den m.A.n. überzogenen Forderungen der Öko-Verbände nicht so ist. Der Teichgrund hat einen sehr großen Einfluß auf den Geschmack der Fische. Muffelig-modrig schmecken die Fische, wenn der Teischschamm schlechte Qualität hat, z.B. wenn der Teich längere Jahre nicht abgefischt wurde, zu hoher Besatz vorhanden ist usw. Da hilft auch längeres Hältern im Klaren Wasser nichts. Und wer einmal einen modrigen Karpfen probiert hat, der wird sehr leicht zum Karpfen-Feind.



Der Zander. Ich halte den Zander für unseren besten heimischen Speisefisch, besser als Hecht, Forelle und Waller. Der Zander ist ein Raubfisch. Das macht seine Aufzucht in kleinen Teichen schwierig. Man muß für ausreichend Futterfische sorgen - und das kann schnell teuer werden, besonders wenn die Zander sich gegenseitig fressen. Allerdings ist das kanibalische Verhalten beim Zander weitaus weniger ausgeprägt als beim Hecht. Die Zanderaufzucht hat noch ein weiteres Problem: Die Zander sind beim Abfischen gegen Verletzungen recht empfindlich. So steht es zumindest in der Literatur. Ich habe hierbei bislang noch keine Probleme festgestellt. Auch haben die Zander sich bei mir (ohne Hilfe von Zandernestern, versenkten Nadelbäumen usw.) nun jedes Jahr natürlich vermehrt. Freilich kommt da nur ein kleiner Teil des Nachwuchses durch, doch brauche ich mir keine Setzlinge kaufen. Es ist ausgesprochen schwierig Zander zu fangen. Natürlich hat jeder Angler hier sein Rezept. Mir ist jedoch schon oft der Fang von Zandern mit dem Wurfnetz geglückt. Dazu muß man wissen, daß die Zander normalerweise nicht am Rand stehen...


Die Schleie. Dieser Fisch ist ein in unserer heimischen Teichwirtschaft häufig anzutreffender Nebenfisch. Zwar wächst die Schleie langsamer als der Karpfen, doch sind auch bessere Preise zu erzielen. Als Futterfisch für den Zander kann der "Schleinenstich" recht gut dienen, jedoch laicht die Schleie nicht so sicher ab, wie etwa BBB. Die Schleie hat ein ähnliches Nahrungsspekturm wie der Karpfen, geht jedoch auch an den Futterautomat. Die Schleie ist durchaus schmackhaft, jedoch stören mich die Gräten. Heuer habe ich meinen Schleienbesatz mit ca. 53 kg ergänzt, in der Hoffnung, daß die Schleien ablaichen habe ich vorzugsweise Stückgrößen von 300-400 Gramm genommen.


Das Rotauge. Ein heimischer Fisch, der (in leider zu geringer Zahl) in meinem Weiher als Futterfisch schwimmt. Rotaugen werden als "Biotop-Fische" leider viel zu teuer gehandelt, man bekommt sie schwer. Meine Rotaugen sind von Bekannten geangelte Exemplare aus Wildgewässern. Große Rotaugen sind als Speisefisch nicht zu verachten, kleine Rotaugen werden von Angeln gerne als Köderfisch (auf Aal, Zander und Hecht) verwendet.


Die Rotfeder. Wie ich finde, unser schönster heimischer Fisch, leider nur wenige einzelne Exemplare in meinem großen Weiher. Die Rotfeder ist (schwerer noch als das Rotauge) zu vernünftigen Preisen als Besatzfisch zu bekommen. Und kleine Rotfedern brauche ich (wegen der Zander) nicht zu setzen.


Die Regenbogenforelle. Ein leicht zu fangender, gut schmeckender (nicht ursprünglich heimischer) Speisefisch. Mit Forellen habe ich (im kleinen Weiher) keine guten Erfahrungen gemacht. Die Forelle liebt klares, sauberes, sauerstoffreiches Wasser. Außerdem sind Forellen "dumm" und "gierig". Sie schwimmen gerne nahe der Oberfläche am Rand und werden so ein leichtes Opfer des Fischreihers. 1992 habe ich weniger als die Hälfte der Stückzahl die ich gesetzt hatte entnehmen können. Das Forellenfutter (unvermeidlich) ist teuerer als das Karpfenfutter (doppelter Preis !) und der Naturzuwachs ist aus wirtschaftlicher Sicht zu gering. Reicht der Sauerstoffgehalt im Sommer nicht, ist schnell mit Verlusten zu rechnen. Deswegen und auch wegen der hohen Verluste durch die Reiher mache ich keine Forellen mehr.


Der Hecht. Ein heimischer, sehr gut schmeckender Speisefisch. Einmal habe ich im großen Weiher Hechte von der Dotterbrut (3000 Stück) einen Sommer mit aufgezogen. Im Teich macht es ohnehin nur ein Jahr Sinn, denn dann wird der stückzahlmäßige Verlust zu große. Abgefischt hatte ich damals ca. 80 Exemplare wobei der größte einsömmrige bei ca. 50 cm lag. Solche Fische sind als Besatzfische für Fischereivereine (fließende Gewässer) immer gesucht und werden gut bezahlt. Allerdings ist es vor der Abfischung schwer zu sagen, welche Anzahl ans Tageslicht kommt. Und da meine Teiche fast frei sind von größeren Wasserpflanzen (den Graskarpfen sei Dank) hat der Hecht bei mir auch nicht die optimalen Unterstell-Möglichkeiten, die dieser Räuber braucht. Nachdem der Hecht auch schneller als der Zander wächst und Zander zudem zu Speisefischgröße im Teich gezogen werden können habe ich nicht dem Hecht sondern dem Zander den Vorzug gegeben.

Der Waller (Wels). Ein heimischer, sehr gut schmeckender Speisefisch, der beachtliche Größe (über 2 Meter!) erreichen kann. Allerdings sind Waller sehr gefräßig und als Besatzfische auch nicht gerade billig. Gelingt es, Waller an den Futterautomat zu gewöhnen, kann auch eine größere Anzahl im Teich (mit Fertigfutter) großgezogen werden. Diesen Versuch habe ich aber bisher weder unternommen noch vor. Einzelne Waller wachsen recht schnell und entwickeln sich in aller Regel zu extremen Räubern. Und dafür sind mir meine Besatzfische zu schade. Also keine Waller in meinen Teichen.


Der Giebel.Ein Bei- oder Futterfisch. (ursprünglich nicht heimisch). Eingentlich wollte ich meinen Weiher nicht mit Giebeln besetzen. Aber wenn man einmal nicht genau hinschaut.. Folgendes hat sich zugetragen: Im Frühjahr 1997 habe ich in der Zeitung gelesen "Schuppenkarpfen zu verkaufen". Telefonisch habe ich dann einen guten Preis (-.10 pro Stück) ausgehandelt und die Fische abgeholt. Nach dem Kauf ist mir dann die Sache schon etwas komisch vorgekommen, aber an Giebel habe ich zunächst nicht gedacht. Erst eine genaue Ansicht der Fische (Giebel haben keine Barteln) hat mir dann Gewissheit gegeben. Also keine Schuppenkarpfen sondern Giebel. Als Futterfische für die Zander sind die Giebel auch gut geeignet und ob die 1000 Stück teuer waren, na ja, ich glaube nicht.


Der Graskarpfen (Amur).Zunächst stand ich diesem aus dem Fluß Amur in China stammenden Pflanzenfresser recht skeptisch gegenüber. Jedoch zähle ich den Amur nun zu den wertvollsten Fischen in meinem Teich. Einerseits schmeckt er ausgezeichnet und ist auch hinsichtlich der Gräten angenehmer als der Karpfen. Anderseits trägt er zusammen mit dem Silberkarpfen zur Teichpflege bei. Er hat nämlich ein anderes Nahrungsspektrum als der Karpfen und ernährt sich von Wasserpflanzen (besonders, wenn es wärmer ist). Im Zusammenspiel mit dem Silberkarpfen, der die Algen unter Kontrolle hält sorgt ein guter Besatz mit Graskarpfen für eine optimale Auswertung der von der Natur angebotenen Nahrungsquellen. Graskarpfen haben viel größere Schuppen als die Silberkarpfen und sind so leicht zu unterscheiden. Mancherorts wird die Bezeichnung  "Graskarpfen" für Amur, Silber- und Marmorkarpfen gleichermaßen verwendet. Ich halte das nicht für richtig, denn nur der Amur ernährt sich (z.B. auch von abgemähtes, ins Wasser geworfenes) Gras.


Der Silberkarpfen.Wie der Amur ist der Silberkarpfen ein ostasiatischer Pflanzenfresser. Das tief stehende Auge läßt manchmal den Eindruck aufkommen, der Fisch schwimmt mit dem Bauch nach oben. Auch seine feinen silbrigen Schuppen machen ihn unverwechselbar. Der Silberkarpfen ernährt sich (bei höheren Temperaturen) vorwiegend von feinen Schwebalgen und trägt somit zur Teichpflege enorm bei. Sein Fleich ist gut, jedoch nicht ganz so gut, wie das des Amur. Sowohl Silberkarpfen wie auch der entwas schneller wachsende Amur schwimmen in meinem Weiher in großen Exemplaren. Ich kann es nicht verstehen warum gerade Teichwirte, die mit Algen und Wasserpflanzen große Probleme haben, nicht diese beiden Fischarten einsetzen. Selbst wenn man an ein Vermarktung nicht denkt, die Handarbeiten und Geräte zur Teichpflege kosten viel mehr...


Der Aal. Der Aal ist ein "schlangenähnlich" aussehender räuberischer Fisch, der in unseren Gewässern künstlich eingesetzt wurde (und wird). Da sich der Aal aussschließlich in der Saragossa-See fortpflanzt und über den Atlantik an die europäische Westküste wandert, kann er im Donau-System nicht natürlich vorkommen. Zum laichen möchte der Aal wieder in den Atlantik wandern. Deswegen halte ich den Besatz im Donau-System und auch in geschlossenen Teichen für blanken Unfug. Die Glasaale, die man an der Küste fängt sollte man vielmehr in Rhein, Elbe und deren Neben-Gewässer setzen, damit die Tierart erhalten bleibt und (Fischtreppen sollten schon sein) auch zum laichen wieder abwandern kann.
 
 
 
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